02.
Sep 2022

Dreamer-Camper wurden illegal manipuliert

Der Wohnmobil-Hersteller Dreamer gehört zu der renommierten Rapido-Gruppe aus Frankreich. Auch Dreamer-Camper werden bis heute vollständig in der französischen Stadt Mayenne im Nordwesten des Landes hergestellt. Doch das Made-in-France-Siegel bedeutet leider nicht immer, dass Dreamer-Wohnmobile beim Kauf frei von Mängeln sind. Einige Fahrzeuge des französischen Herstellers sind nämlich vom Abgasskandal betroffen.

Dreamer und andere Wohnmobilhersteller setzten auf manipulierte Basismodelle

Zahlreiche Dreamer-Wohnmobile wie die Modellreihen D53, D55, D60 und CAMPER VAN XL werden auf Basis des Fiat Ducato gebaut. Generell gilt der italienische Kastenwagen als beliebtestes Fahrgestell für den Ausbau von Wohnmobilen. Doch viele Diesel-Varianten des Ducato enthalten illegale Abschalteinrichtungen und stoßen deshalb im Normalbetrieb unerlaubt viele Schadstoffe aus.

Nachdem die Frankfurter Staatsanwaltschaft im Sommer 2020 mehrere Geschäftsräume von Fiat in drei verschiedenen Ländern wegen des Abgasskandals durchsuchen ließ, verkündeten die Frankfurter Ermittler wenig später, dass in Deutschland wohl vor allem Wohnmobile illegal manipuliert wurden. Neben Dreamer setzen nämlich auch andere große Wohnmobil-Hersteller wie Hymer, Dethleffs oder Knaus auf den Fiat Ducato als Basismodell. Dass diese Wohnmobil-Hersteller von den illegalen Manipulationen von Fiat wussten, ist aktuell jedoch unwahrscheinlich.

So wurden die betroffenen Fahrzeuge manipuliert

Mehrere unabhängige Abgastests haben mittlerweile bestätigt, dass verschiedene Ducato-Varianten, die unter den Umweltnormen Euro 5 und Euro 6 zugelassen wurden, illegale Abschalteinrichtungen enthalten. Laut Staatsanwaltschaft Frankfurt soll es sich dabei vordergründig um Fahrzeuge, die zwischen 2014 und 2019 gebaut wurden, handeln.

Fiat manipulierte die Autos so, dass diese nur etwa 22 Minuten lang Abgase auf einem gesetzeskonformen Niveau filterten. Danach setzte die Abgasreinigung einfach aus. Zudem setzte der italienische Autobauer unter anderem auch auf sogenannte Thermofenster. Das sind Abschalteinrichtungen, die die Abgasreinigung entsprechend der Außentemperaturen hoch- oder herunterfahren. Vor allem bei niedrigen Temperaturen stoßen betroffene Fahrzeuge oft ein Vielfaches der zulässigen Schadstoffmengen aus.

Durch die verbaute Manipulationssoftware erhielten die betroffenen Fahrzeuge ausnahmslos die Typengenehmigung. Das liegt daran, dass amtliche Abgastests im Normalfall nur knapp 20 Minuten andauerten und unter Temperaturen in Höhe von ungefähr 25 Grad durchgeführt wurden. Unter diesen Bedingungen wirkten die Fiat Ducato-Modelle, als wären sie sauber.

Umweltorganisationen und Politiker bauen Druck wegen ausbleibender Rückrufe aus

Im Normalbetrieb stoßen die Ducato-Modelle sowie Wohnmobile, die darauf basierend gebaut wurden, jedoch unerlaubt viele Schadstoffe aus. Daher hätten sie eigentlich nie zugelassen werden dürfen. Die meisten betroffenen Fahrzeughalter wissen bislang jedoch noch gar nichts von den Manipulationen, denn zu Rückrufen des Fiat Ducato kam es bislang noch gar nicht.

Obwohl das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) erhöhte Abgaswerte bei Messungen an Fiat-Fahrzeugen festgestellt hat, verweist die Behörde in der Sache auf die italienischen Behörden, die die Fahrzeuge auch zugelassen haben. Doch mittlerweile hat auch das KBA die Berechtigung, um Fahrzeuge, die im EU-Ausland zugelassen wurden, zurückzurufen. Deshalb hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) schon Beschwerde gegen das KBA eingereicht.

Darüber hinaus führt die EU-Kommission bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien, weil auch die dortigen Behörden ihre Füße in der Sache bislang stillhalten. Es ist also nicht auszuschließen, dass es aufgrund des Drucks von Umweltorganisationen und der Politik bald endlich zu Rückrufen in der Sache kommt. Betroffene Fahrzeughalter haben jedoch auch jetzt schon Möglichkeiten, sich über eine mögliche Manipulation ihres Wohnmobils zu informieren und juristische Schritte in der Sache einzuleiten.

Wohnmobil-Abgasskandal: Diese Rechtsansprüche bestehen

Autos, die vom Abgasskandal betroffen sind, halten die vorgeschriebenen Umweltrichtlinien nicht ein. Dementsprechend enthielten sie bereits zum Kaufzeitpunkt einen Mangel, weshalb betroffene Halter juristisch gegen den jeweiligen Fahrzeughersteller vorgehen können. Da die manipulierten Motoren von Fiat bereitgestellt wurden, richten sich Klagen im Wohnmobil-Abgasskandal im Normalfall auch gegen Fiat und nicht zum Beispiel Dreamer oder die Rapido-Gruppe.

Betroffene Verbraucher haben grundsätzlich die Möglichkeit, ihre Fahrzeuge zurückzugeben. Im Gegenzug winkt eine finanzielle Entschädigung, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Alternativ ist es auch möglich, das jeweilige Fahrzeug zu behalten und eine Entschädigung in Höhe eines Teilbetrages des Kaufpreises durchzusetzen.

Abgasskandal-Klagen sind in vielen Fällen ohne finanzielles Risiko möglich. Wer nicht rechtsschutzversichert ist, kann in der Regel auf die Dienste eines Prozesskostenfinanzierers zugreifen. Dieser übernimmt die vollen Verfahrenskosten und bezieht lediglich im Erfolgsfall einer Klage eine vorab definierte Provision. Die Kanzlei Goldenstein berät betroffene Fahrzeughalter kostenfrei bezüglich ihrer rechtlichen Möglichkeiten in der Sache.

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