28.
Jun 2021

Droht Wohnmobilen wegen Abgasmanipulation die Stilllegung?

Hunderttausende Wohnmobile in Deutschland wurden wohl illegal manipuliert. Unabhängige Abgastests ergaben, dass die betroffenen Diesel-Fahrzeuge ein Vielfaches der zulässigen Schadstoffmengen ausstoßen und daher eigentlich nicht hätten zugelassen werden dürfen. Gerüchteweise droht den manipulierten Fahrzeugen nun der Entzug der Straßenzulassung und damit die Stilllegung. Stimmt das?

Diese Fahrzeug-Modelle betrifft der Wohnmobil-Abgasskandal

Die Manipulationsvorwürfe betreffen den Fiat Ducato, die Iveco-Modelle Daily Hi-Matic, Daily 4×4 und Eurocargo, die Mercedes-Benz-Fahrzeuge Sprinter, V-Klasse, Vito und Viano sowie die VW-Modelle T5 und T6. Das sind quasi sämtliche Modelle, die von Reisemobilherstellern wie zum Beispiel Hymer, Knaus oder Sunlight als Fahrgestell für ihre Wohnmobile genutzt werden.

Teilweise wurden die betroffenen Wohnmobile bereits offiziell wegen der Abgasmanipulation zurückgerufen. Teilweise stehen diese Rückrufe noch aus. Fakt ist: Sobald ein offizieller Rückruf in der Sache durch die verantwortliche Zulassungsbehörde erfolgt, müssen die jeweiligen Hersteller dafür sorgen, dass die Abgasreinigung der manipulierten Autos normalisiert wird. Dafür sind die Hersteller der manipulierten Motoren verantwortlich und nicht die Unternehmen, die die jeweiligen Wohnmobile ausgebaut haben.

Stilllegung droht nach Rückruf

Gelingt die Normalisierung der Abgasreinigung nicht, müssen die betroffenen Fahrzeuge tatsächlich stillgelegt werden. Aber selbst, wenn dies gelingt, müssen die Halter von manipulierten Wohnmobilen mit schwerwiegenden Konsequenzen leben. Der bisherige Verlauf des Abgasskandals hat gezeigt, dass die verantwortlichen Hersteller eine Normalisierung der Abgasreinigung im Normalfall mit Hilfe eines Software-Updates anvisieren.

Software-Updates können den Abgasausstoß tatsächlich positiv beeinflussen. Jedoch kommt es dadurch oft auch zu Begleiterscheinungen, die zu einer deutlich kürzeren Lebensdauer der jeweiligen Motoren führen können. Schließlich ist die Hardware der Fahrzeuge gar nicht für eine solche Form der Abgasreinigung konzipiert worden.

Daher zählen ein erhöhter Kraftstoffverbrauch, Leistungseinbrüche, unangenehme Gerüche, Ausfälle des Abgassystems und verstopfte Partikelfilter zu den Problemen, mit denen sich betroffene Fahrzeughalter nach der Durchführung eines Software-Updates rumschlagen müssen. Wer das Update jedoch verweigert, muss allerdings ebenfalls mit der Stilllegung seines Fahrzeugs rechnen. Schließlich erfüllt das Fahrzeug in diesem Fall nicht die Anforderungen für eine Typengenehmigung in Europa.

Betroffene Wohnmobil-Besitzer haben Anspruch auf Schadensersatz

Da die betroffenen Wohnmobil-Besitzer ihr Auto sicherlich nicht gekauft hätten, wenn sie damals von dem Betrug und den damit verbundenen Konsequenzen gewusst hätten, haben diese geltende Schadensersatzansprüche. So besteht im Rahmen des Wohnmobil-Abgasskandals die Möglichkeit, das manipulierte Fahrzeug an den verantwortlichen Hersteller zurückzugeben und dafür eine Entschädigung zu erhalten, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientiert.

Alternativ besteht auch die Option, das Fahrzeug weiter zu nutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. Auf diesem Weg lassen sich etwa 20 bis 25 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises in Form einer finanziellen Entschädigung durchsetzen. Diese Summe soll den Wertverlust kompensieren, der durch die illegale Abgasmanipulation entstanden ist. Nachweislich manipulierte Fahrzeuge erzielen nämlich deutlich geringere Verkaufswerte als vergleichbare Autos, die nicht manipuliert wurden.

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