17.
Aug 2021

Der Fiat Ducato Abgasskandal

Neben PKW-Modellen der Hersteller VW, Daimler und Co. sind nun offiziell auch zahlreiche Kastenwagen und Wohnmobile von den Dieselmanipulation betroffen. Dies bestätigte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) im Juni 2021 und öffnete damit ein weiteres Kapitel im Dieselskandal. Doch was hat es mit dem Fiat Ducato Abgasskandal auf sich und wie können sich betroffene Fahrzeughalter gegen den Betrug zur Wehr setzen?

Das Bekanntwerden des Fiat Ducato Abgasskandals

Anfang 2021 führte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) Abgasmessungen an mehreren Fahrzeugen durch und stellte dabei unter anderem fest, dass der Fiat Ducato 130 Multijet Euro 6 rund 19-mal mehr Stickoxid ausstößt, als es eigentlich erlaubt wäre. Diese Erkenntnis teilte die DUH dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) mit und forderte dabei die Überprüfung der Zulassungen dieser Fahrzeuge.

Dem KBA wiederum war der Fiat Ducato Abgasskandal zu dem Zeitpunkt schon lange bekannt, genau genommen seit 2016. Denn schon im Zusammenhang mit den Untersuchungen des VW-Skandals soll der Automobilzulieferer Bosch dem KBA gegenüber zugegeben haben, auch an den Fiat-Chrysler-Konzern Motor- und Dosiersteuergeräte geliefert zu haben, mit deren Software Fiat den Schadstoffausstoß seiner Diesel-Fahrzeuge manipulierte. Das KBA hatte die italienischen Behörden zwar darüber informiert, da diese für die Zulassung und damit auch für die Rückrufe der Fahrzeuge zuständig sind. Allerdings ist gegen Fiat Chrysler zunächst nichts weiter unternommen worden. Aufgrund der fehlenden Reaktion leitete die EU-Kommission Ermittlungen gegen die italienischen Behörden ein.

Doch erst im Sommer 2020 nahm der Fall wieder an Fahrt auf, als die Frankfurter Staatsanwaltschaft mehrere Razzien in den Geschäftsgebäuden des Fiat-Konzerns durchführte. Die Ermittler gaben danach bekannt, dass allein in Deutschland rund 200.000 Fahrzeuge aus dem Hause Fiat-Chrysler (seit 2021 Stellantis) illegal manipuliert wurden. Offiziell machte das KBA den Fiat-Abgasskandal im Juni 2021 mit der ersten amtlichen Rückruf-Aktion von Fahrzeugen, die auf Basis des Iveco Daily gebaut wurden. Der Fahrzeughersteller Iveco ging in den 70er Jahren aus der LKW-Sparte von Fiat hervor und verbaut bis heute Motoren des italienischen Autokonzerns.

Welche Motoren sind vom Fiat Ducato Abgasskandal betroffen?

Mittlerweile ist bekannt, dass nahezu alle Fiat-Motoren, die zwischen 2014 und 2019 gebaut wurden, vom Abgasskandal betroffen sind. Somit wurden auch sämtliche Fiat Ducato-Fahrzeuge der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 illegal manipuliert. Eine Ausnahme bilden nach jetzigem Kenntnisstand nur Fahrzeuge mit Euro 6d- und Euro 6d-TEMP-Motor.

Welche Modelle sind vom Dieselskandal beim Fiat Ducato betroffen?

Der Fiat Ducato Abgasskandal betrifft überwiegend Kastenwagen und Wohnmobile. Grund dafür ist die Tatsache, dass Wohnmobil-Hersteller den Ducato häufig als Basis-Fahrzeug für ihre Reisemobile nutzen. Deutschlandweit sind die manipulierten Gestelle in rund zwei Dritteln aller Wohnmobile von mehr als 50 Herstellern wie Dethleffs, Hymer oder Bürstner verbaut. Stetig kommen neue Details zum Dieselskandal beim Fiat Ducato ans Licht und die Liste der betroffenen Wohnmobil-Hersteller und -Modelle wird immer länger.

Wie funktioniert die Abschalteinrichtung beim Fiat Ducato?

Bei Abgastests des KBA und der DUH hat sich wiederholt gezeigt, dass der Fiat Ducato die gesetzlich festgelegte Stickoxid-Grenze im realen Straßenbetrieb um ein Vielfaches übersteigt. Damit hat sich der Ducato als wahrer Umweltsünder erwiesen. Schuld daran sind die darin verbauten Abschalteinrichtungen.

Eine bekannte Methode, die der Fiat-Konzern zur Dieselmanipulation nutzt, ist der Einsatz einer zeitabhängigen Abschalteinrichtung. Dabei soll die zur Abgasreinigung eingesetzte Abgasrückführung in den betroffenen Dieselmotoren lediglich 22 Minuten lang aktiv sein. Danach schaltet sich die Abgasreinigung ab. Trotzdem wurden die manipulierten Fahrzeuge zugelassen. Der Grund dafür ist die Tatsache, dass entsprechende EU-Zulassungstests nur etwa 20 Minuten andauern.

Eine weitere von Fiat genutzte Methode zur Abgasmanipulation ist das sogenannten Thermofensters. Dabei ist die Abgasreinigung nur bei Temperaturen zwischen 15 und 30 Grad Celsius aktiv. Diese Temperaturen herrschen während des Testverfahrens. Im normalen Straßenbetrieb, wo die Temperaturen natürlich auch häufig darüber oder darunter liegen, funktioniert die Abgasreinigung allerdings nicht in vollem Umfang.

Ob weitere Abschalteinrichtungen in betroffenen Ducato-Modellen verbaut wurden, ist bislang noch unklar. Es wird wohl noch etwas Zeit verstreichen, bis alle Details zum Fiat Ducato Abgasskandal bekannt sind.

Vorsicht vor der Fiat Serviceaktion 6042

Bisher hat noch keine amtliche Fiat Ducato-Rückrufaktion stattgefunden. Fiat selbst versucht, dem zuvorzukommen und lädt seine betroffenen Kunden zu der Durchführung eines freiwilligen Software-Updates (Serviceaktion 6042) ein. Mittels dieses Updates soll laut Fiat die Abgasreinigung betroffener Fiat Ducato Modelle mit folgenden Euro 6-Motoren optimiert werden:

  • 0 Multijet Euro 6 mit Fahrgestellnummern im Intervall zwischen 02A55300 und 02C09663
  • 3 Multijet Euro 6 mit Fahrgestellnummern im Intervall zwischen 02689029 und 02024820

Der Rechtsanwalt Claus Goldenstein, dessen Kanzlei für das erste Dieselskandal-Urteil des BGH verantwortlich ist, rät allerdings zur Vorsicht: „Solche Software-Updates sind kein harmloser Eingriff. Jeder zweite Halter eines illegal manipulierten Fahrzeugs klagt nach einer entsprechenden Nachrüstung über Fahrzeugprobleme. So berichten betroffene Verbraucher unter anderem von unangenehmen Gerüchen, einem erhöhten Kraftstoffverbrauch oder sogar schwerwiegenden Motorschäden. Daher raten wir von Goldenstein Rechtsanwälte von der Durchführung des freiwilligen Updates ab.“

Wer also ein Schreiben zur Serviceaktion 6042 von Fiat oder seinem Vertragshändler erhalten hat, sollte sich im Vorfeld lieber anwaltlich zu seinen Möglichkeiten beraten lassen.

Welche Ansprüche habe ich im Fiat Ducato Abgasskandal?

Der PKW-Abgasskandal hat gezeigt, dass die Nachfrage nach manipulierten Fahrzeugen nicht besonders hoch ist. Demnach verlieren betroffene Fahrzeuge stark an Wert. Wer ein Abgasskandal-Fahrzeug besitzt, sollte somit nicht länger warten und sich gegen den Betrug wehren. Betroffenen stehen folgende Möglichkeiten zur Verfügung:

1. Rückabwicklung des Fahrzeugs:

Betroffene Diesel-Fahrer haben die Möglichkeit, ihr manipuliertes Fahrzeug an den Hersteller zurückzugeben und dafür Schadensersatz zu erhalten. Die Höhe der Entschädigung berechnet sich dabei aus dem ursprünglichen Kaufpreis abzüglich einer Nutzungsentschädigung. Diese richtet sich nach der bisherigen Laufleistung oder der jeweiligen Nutzungsdauer. Verbraucher sollten somit schnell aktiv werden, um die Nutzungsentschädigung möglichst gering zu halten. Gleichzeitig erhalten Kläger Verzugszinsen, welche ihre Entschädigungssumme erhöhen. Diese werden ab dem Tag der Klage-Einreichung fällig.

Auch gewerbliche Ducato-Besitzer haben Anspruch auf Schadensersatz. Dies betrifft unter anderem Handwerksbetriebe oder Lieferdienste.

2. Fahrzeug behalten:

Alternativ können Verbraucher ihr Fahrzeug behalten und eine einmalige Entschädigung für den erlittenen Wertverlust zu erhalten. In der Regel erhalten Kläger dabei rund 20-25 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises vom Motoren-Hersteller, also Fiat, erstattet.

3. Ersatzfahrzeug erhalten:

Der Bundesgerichtshof hat erst im Juli 2021 entschieden, dass betroffene Fahrzeughalter auch Anspruch auf ein neues, mangelfreies Ersatzfahrzeug haben. Dieses Ersatzfahrzeug muss ihnen der Verkäufer des manipulierten Fahrzeugs im Rahmen der Gewährleistung zur Verfügung stellen. Voraussetzung dafür ist, dass sich der Kläger noch innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist befindet.

Fünf Fragen zum Fiat Ducato Abgasskandal an den Anwalt Claus Goldenstein:

Droht meinem Fiat Ducato die Stilllegung?

Die manipulierten Fahrzeuge halten die vorgeschriebenen EU-Umweltrichtlinien aufgrund der eingebauten Abschalteinrichtungen nicht ein. Insofern hätten sie eigentlich nicht für die Nutzung auf europäischen Straßen zugelassen werden dürfen. Daher ist es durchaus möglich, dass die Abgasskandal-Autos von Fiat stillgelegt werden. Betroffene Fahrzeughalter sollten sich daher unbedingt rechtlichen Rat einholen, um einer möglichen Stilllegung entgegenzuwirken.

Sollte ich ein Software-Update auf meinen Fiat Ducato aufspielen lassen?

Bisher wurde noch kein Fiat Ducato von den italienischen Behörden offiziell zurückgerufen. Wenn dieser Fall eintritt und ein betroffener Fahrzeughalter per Rückrufschreiben zu einem Software-Update aufgefordert wird, sollte schnellstmöglich rechtlicher Rat eingeholt werden. Fahrzeughalter sind zwar nicht zur Nachrüstung verpflichtet und können diese auch verweigern. Allerdings droht dann im schlimmsten Fall die Stilllegung des Fahrzeugs, da es die geltenden Umweltrichtlinien nicht erfüllt.

Trotzdem sollte man nicht direkt den Weg zur nächsten Werkstatt ansteuern. Wurde die Abschalteinrichtung nämlich erst einmal entfernt, lässt sie sich im Rahmen einer Schadensersatzklage nicht länger begutachten. Das könnte die Chancen auf eine Entschädigung im schlimmsten Fall sogar schmälern. Verbraucher sollten sich demnach zuerst von einem Anwalt beraten lassen, bevor sie handeln.

Wie hoch sind die Erfolgschancen bei einer Klage gegen Fiat?

Die Chancen für betroffene Kläger stehen so gut wie nie zuvor. Seit wir von Goldenstein Rechtsanwälte im letzten Jahr das Grundsatzurteil im VW-Abgasskandal vor dem Bundesgerichtshof erwirkt haben, entscheiden die deutschen Gerichte immer häufiger zu Gunsten der Verbraucher. Unsere Kanzlei kann bei rund 28.500 vertretenen Mandanten eine Erfolgsquote von 99 Prozent verzeichnen. Unsere Rechtsexperten unterstützen auch Sie bei der Durchsetzung Ihrer Ansprüche.

Kann ich auch in Deutschland gegen Fiat klagen?

Ja, das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) eindeutig entschieden. Wer in Deutschland wohnt, kann auch hier juristisch gegen Fiat vorgehen und muss seine Rechte nicht in Italien einklagen.

Wann verjähren meine Ansprüche im Fiat Ducato Dieselskandal?

Im Fall der illegalen Abgasmanipulation handelt es sich um eine sittenwidrige Schädigung. Hierfür gilt in Deutschland eine Verjährungsfrist von drei Jahren zum Jahresende ab Kenntnis der geschädigten Person. Wichtig ist demnach der Zeitpunkt, an dem der Betroffene vom Fiat Ducato Abgasskandal erfahren hat. Dabei reicht die allgemeine mediale Berichterstattung laut BGH nicht aus, um sämtliche Geschädigte über die Fahrzeug-Manipulation zu informieren. Es muss also immer individuell geklärt werden, wann betroffene Fahrzeughalter Kenntnis über den Ducato-Skandal erlangt hat.

Da es aber sehr schwer ist, diesen Zeitpunkt klar zu definieren, raten wir den Besitzern von manipulierten Fiat Ducatos dazu, nicht zu lange zu warten und sich schnellstmöglich um die Durchsetzung ihrer Schadensersatzansprüche zu kümmern. So sind Sie auf der sicheren Seite. Unsere Experten beraten Sie gern zu kostenlos und ohne Risiko zu Ihren Möglichkeiten.

Prüfen Sie jetzt Ihren Anspruch: