Das Diesel Software-Update
von VW, Audi, Mercedes & Co.

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Millionen illegal manipulierte Fahrzeuge wurden im Rahmen des Abgasskandals bereits zurückgerufen. Mithilfe von Software-Updates sollen die verwendeten Abschalteinrichtungen entfernt und der Schadstoffausstoß der betroffenen PKW so normalisiert werden. Solche Updates sind jedoch kein harmloses Unterfangen. Viele Autofahrer plagen unerwünschte Nebeneffekte, die schnell ins Geld gehen können. Auch die Wirksamkeit von Software-Updates wird in vielen Fällen angezweifelt.

Ist ein Update somit die richtige Lösung im Abgasskandal oder sollten Kunden von VW, Audi, Mercedes & Co. das Software-Update verweigern? Welche Alternativen gibt es zum Software-Update? Diese und weitere Fragen beantworten wir in folgendem Beitrag.

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Am 25. Mai 2020 erwirkten wir von Goldenstein Rechtsanwälte das erste Dieselskandal-Urteil vor dem Bundesgerichtshof (BGH). Damit haben wir eine wichtige Basis für Urteile aller deutschen Amts-, Landes- und Oberlandesgerichte gelegt. Nicht nur VW-Kunden, sondern auch betroffene Fahrzeughalter anderer Hersteller profitieren von diesem Meilenstein.

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Wie funktioniert das Diesel Software-Update?

Vom Dieselskandal betroffene Fahrzeuge wurden mit sogenannten Abschalteinrichtungen ausgestattet. Hierbei handelt es sich um Manipulationssoftware, die sich negativ auf die Abgasreinigung auswirkt. Denn mithilfe der Abschalteinrichtungen schalten die Fahrzeuge zwar auf dem Prüfstand in einen umweltfreundlichen Modus. Im normalen Straßenbetrieb jedoch stoßen die Autos ein Vielfaches der erlaubten Schadstoffmengen aus und stellen damit eine enorme Belastung für die Umwelt dar. Demnach hätten Sie eigentlich nie für den Straßenbetrieb zugelassen werden dürfen.

Die Autobauer verfolgten damit rein wirtschaftliche Ziele, denn die Installation einer Schummelsoftware ist deutlich günstiger als die Entwicklung und der Einbau teurer Abgasreinigungssysteme.

Je nach Hersteller wurden zum Teil unterschiedliche Abschalteinrichtungen genutzt, um die Diesel-Fahrzeuge zu manipulieren. Die Manipulationssoftware von Volkswagen, die der Konzern als „Akustikfunktion“ getarnt hat, erkannte anhand des Lenkrad-Stillstands, wenn sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befand. War dies der Fall, wurde der Schadstoffausstoß durch eine erhöhte Abgasreinigung massiv reduziert.

Inhaltsverzeichnis

Der Autobauer Daimler war bei der Manipulation seiner Diesel-Fahrzeuge besonders kreativ und entwickelte gleich mehrere Abschalteinrichtungen. Bisher wurden fünf Varianten der Abgasmanipulation entdeckt. So erkennen einige Mercedes-Fahrzeuge beispielsweise offizielle Zulassungstests und verbessern ihren Abgasausstoß in dem Fall mithilfe einer reduzierten Kühlmittelsolltemperatur. Diese wird hierbei von 100 auf 70 Grad Celsius heruntergefahren, was zu einen deutlich geringeren Stickoxid-Ausstoß führt. Im normalen Straßenbetrieb steigt die Temperatur dann wieder auf 100 Grad an. Dadurch erreicht der Schadstoffausstoß ein unerlaubt hohes Niveau.

Mithilfe von Software-Updates wird die in den jeweiligen Fahrzeugen verbaute Manipulationssoftware überschrieben. Doch es gibt nicht nur ein Software-Update, sondern je nach Hersteller teilweise sogar Hunderte Update-Varianten, die abhängig von Faktoren wie dem Gewicht, dem Modell und der Ausstattung des betroffenen Fahrzeugs aufgespielt werden. Vereinfacht ausgedrückt soll das Fahrzeug nach dem Diesel Software-Update dauerhaft wie auf dem Prüfstand laufen und so die vorgeschriebenen Umweltrichtlinien erfüllen. Mithilfe des Updates werden diesbezüglich bestimmte Abgasreinigungs-Funktionen nachjustiert.

So wird beispielsweise bei Fahrzeugen mit dem EA189-Motor von VW die Abgasrückführung zum Teil deutlich erhöht. Zudem setzt die Haupteinspritzung nach dem Update früher mit einer reduzierten Kraftstoff-Menge ein. Durch diese Reduktion sinkt aber auch die Leistung der betroffenen PKW, was wiederum mit einer unmittelbaren Nacheinspritzung kompensiert werden soll.

Welche Auswirkungen hat das Diesel Software-Update?

Bisher wurden weltweit mehrere Millionen Diesel-Fahrzeuge mit Software-Updates ausgestattet. Leider waren die daraus resultierenden Folgen für viele Fahrzeughalter eher negativ als positiv. Der österreichische Verein für Konsumenteninformation (VKI) führte eine umfassende Umfrage zu den Auswirkungen von Software-Updates durch. Tatsächlich klagte jeder zweite Befragte über Fahrzeugprobleme nach dem Update.

Als Begleiterscheinungen wurden unter anderem unangenehme Gerüche, ein erhöhter Kraftstoff- und AdBlue-Verbrauch, Leistungsabfälle, verstopfte Partikelfilter, Ausfälle des Abgassystems bis hin zu schwerwiegenden und kostspieligen Motorschäden genannt. Wer ein Software-Update auf sein Dieselskandal-Auto aufspielen lässt, riskiert demnach eine verringerte Lebensdauer des Fahrzeugs und kann mit häufigeren Werkstattterminen rechnen, die unter Umständen sehr teuer werden können. Problematisch hierbei ist außerdem, dass viele der Folgen erst Monate oder sogar Jahre nach dem Update auftreten können. In den meisten Fällen müssen die betroffenen Fahrzeughalter die anstehenden Reparaturkosten dann sogar selbst tragen.

Offiziell geben die Hersteller nämlich an, dass Software-Updates keine Folgeschäden verursachen. Dementsprechend ist ihre Bereitschaft, für etwaige Schäden aufzukommen, sehr gering. Es muss beispielsweise vorausgesetzt sein, dass der Besitzer den direkten Zusammenhang zwischen Fahrzeugschaden und Software-Update nachweisen kann. In der Praxis ist das allerdings in vielen Fällen kaum machbar. Somit bleiben viele Diesel-Halter auf den Werkstattkosten sitzen.

Nicht zuletzt kritisieren viele Experten zudem auch die Wirksamkeit von Software-Updates. Messungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) belegten nämlich, dass sich der Schadstoffausstoß bei zahlreichen Fahrzeugen nach der Installation eines solchen Updates nur geringfügig besserte. Bei einigen Diesel-Autos erhöhten sich die Emissionswerte sogar.

VW trickste bei Software-Update

Das ARD-Fernsehmagazin Kontraste deckte 2019 auf, dass der VW-Konzern selbst beim Aufspielen des Software-Updates trickste. Mit dem Update wurde nämlich ein sogenanntes Thermofenster aufgespielt. Dadurch funktionierte die Abgasreinigung selbst bei upgedateten VW-Diesel-Fahrzeugen nur bei Temperaturen zwischen 15 und 33 Grad korrekt.

Nun droht den betroffenen Fahrzeughaltern ein zweiter Rückruf ihrer Fahrzeuge. Am 14. Juli 2022 urteilten die Richter am Europäischen Gerichtshof (EuGH) nämlich zum VW Software-Update und gaben dabei bekannt, dass dieses Update ebenfalls eine illegale Abschalteinrichtung enthält. Halter betroffener Fahrzeuge müssen sich nun darauf einstellen, dass sie ihren Diesel erneut in die Werkstatt bringen müssen.

Kann ich das Diesel Software-Update verweigern?

Grundsätzlich steht es jedem Fahrzeughalter frei, das Software-Updates zu verweigern. Wir raten allen betroffenen Fahrzeughaltern jedoch, sich vor einem möglichen Update rechtlich beraten zu lassen. Schließlich hat die Durchführung eines Software-Updates gravierende Folgen für den Fahrzeughalter und sein Fahrzeug – einerseits drohen langfristige Fahrzeugschäden sowie die erschwerte Durchsetzung der Schadensersatzansprüche. Andererseits kann es bei einer Verweigerung des Updates im schlimmsten Fall zur Stilllegung des Fahrzeugs kommen, da es die gesetzlichen Umweltrichtlinien nicht erfüllt und eigentlich nie für den Straßenbetrieb zugelassen werden dürfte.

Sie sind sich nicht sicher, ob Sie ein Diesel Software-Update an Ihrem Fahrzeug durchführen lassen sollen? Unsere Rechtsexperten beraten Sie gern kostenlos und ohne Risiko zu Ihrem individuellen Fall.

Freiwillige Rückrufaktionen der Automobilhersteller

Die großen Automobilhersteller versuchen teilweise mit freiwilligen Software-Updates, den offiziellen Rückrufen durch das KBA zuvorzukommen. Diese unter anderem als „freiwillige Servicekampagne“ betitelten Schreiben enthalten oftmals sogar Werkstatt- oder andere Wertgutscheine und sollen die Halter manipulierter Diesel-Fahrzeuge damit in die Werkstatt locken, wo ihre Autos mit einem Diesel Software-Update bespielt werden sollen.

Fahrzeughalter sollten dieses Angebot allerdings lieber nicht annehmen. Es ist nämlich davon auszugehen, dass die Hersteller einem offiziellen Rückruf damit zuvorkommen und den Abgasskandal dadurch vertuschen wollen. Wurde ein Abgasskandal-Auto nämlich bereits upgedated, muss der Besitzer im Falle eines offiziellen Rückrufs nicht mehr über diesen informiert werden. Das spielt den Herstellern in die Karten: Sie können den durch den Abgasskandal entstandenen Imageschaden verringern und so möglicherweise auch Schadensersatzforderungen verhindern. Denn wer nichts von der Abgasmanipulation seines Fahrzeugs weiß, wird logischerweise auch keine Ansprüche gegen den Hersteller erheben. In diesem Fall erfahren Verbraucher ggf. erst, wenn sie ihr Auto verkaufen wollen, dass das Fahrzeug vom Abgasskandal betroffen ist. Nachweislich manipulierte PKW-Modelle bringen auf dem Gebrauchtwagenmarkt nämlich deutlich weniger Geld ein als vergleichbare Fahrzeuge, die nicht vom Abgasskandal betroffen sind.

Ein freiwilliges Sofware-Update sollten Verbraucher aber nicht nur ablehnen, weil diese dann im Zweifel nicht mehr über den amtlichen Rückruf ihres Autos informiert werden. Auch für den Erfolg einer Schadensersatzklage kann es hilfreich sein, die Wirkungsweise der Manipulationssoftware genau nachvollziehen zu können. Wurde diese jedoch bereits durch ein Software-Update entfernt, lässt sie sich im Rahmen einer Klage nicht länger begutachten. Das kann für eine erfolgreiche Schadensersatzforderung allerdings entscheidend sein.

Für betroffene Fahrzeughalter bedeutet das also: Wer ein Schreiben zur Durchführung eines Diesel Software-Updates erhält, sollte hellhörig werden. Insbesondere, wenn Begrifflichkeiten wie „Software-Aktualisierung“, „Emissionen“, „Schadstoffe“ oder „Kalibrierung von Datensätzen“ auftauchen, sollten alle Alarmglocken läuten.

Vor einem Software-Update unbedingt anwaltlich beraten lassen

Egal, ob Sie ein offizielles Rückrufschreiben erhalten haben oder ein Schreiben vom Autobauer für eine freiwillige Servicemaßnahme: Lassen Sie kein Software-Update an Ihrem Diesel-Fahrzeug durchführen, ohne sich vorher Rat von einem Anwalt einzuholen. Denn selbst bei einem Rückruf durch das KBA könnte es unter Umständen sinnvoll sein, mit der Installation eines Updates zu warten. Zum einen führen Software-Updates häufig zu schwerwiegenden Fahrzeugschäden. Zum anderen kann die erfolgreiche Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen mit der Durchführung eines Updates auch erschwert werden.

Aus diesem Grund sollten sich betroffene Verbraucher zunächst rechtlich beraten lassen, bevor sie ihr Diesel-Auto zur nächsten Werkstatt bringen. Unsere Dieselskandal-Experten von Goldenstein Rechtsanwälte beraten Sie gern kostenlos und stehen Ihnen bei Fragen zur Seite.

Welche Alternativen gibt es zum Software-Update?

Wird ein Diesel-Fahrzeug aufgrund zu hoher Abgaswerte zurückgerufen, muss der verantwortliche Automobilhersteller eine Lösung entwickeln, um den Schadstoffausstoß zu normalisieren. In der Regel nutzen die Hersteller hierfür entsprechende Software-Updates. Allerdings sind sich viele Experten einig, dass nur eine Veränderung der Hardware eine wirklich wirksame Lösung darstellt. Entsprechende Hardware-Nachrüstungen werden jedoch nur selten vorgenommen, da sie für die Automobilhersteller mit einem Verkaufspreis von bis zu 5.800 Euro schlichtweg zu teuer sind und Software-Updates eine weitaus günstigere Alternative darstellen. Hier finden Sie weitere Informationen zum Hardware-Update:

 

 

Sie sind sich nicht sicher, ob beziehungsweise wie Sie Ihr Diesel-Fahrzeug updaten sollen? Lassen Sie sich kostenlos und ohne Risiko von unserem Expertenteam beraten. Wir klären Sie zu Ihren Möglichkeiten auf und helfen Ihnen bei Ihrer Entscheidung.

 

Was kann ich als Betroffener im Abgasskandal tun?

Grundsätzlich gilt: Wer ein illegal manipuliertes Fahrzeug besitzt, hat Anspruch auf Schadensersatz. Immerhin hätten die Fahrzeughalter ihre Diesel-Autos nicht zu den gleichen Konditionen gekauft, wenn sie zum Kaufzeitpunkt von der Dieselmanipulation gewusst hätten. Zudem haben Abgasskandal-Fahrzeuge einen enormen Wertverlust erlitten und sind teilweise von Fahrverboten in deutschen Städten betroffen. Betroffene Fahrzeugbesitzer haben daher folgende Möglichkeiten:

1) Fahrzeug zurückgeben und Kaufpreis erhalten:

Sie können Ihr Auto an den verantwortlichen Hersteller zurückgeben und erhalten im Gegenzug eine Entschädigung, die sich am ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Sie müssen sich lediglich eine Nutzungsentschädigung negativ anrechnen lassen, die abhängig von der individuellen Laufleistung des Fahrzeugs ist. Zudem erhalten Sie Verzugszinsen zusätzlich zu Ihrer Entschädigungssumme ab dem Tag der Klage-Einreichung.

2) Fahrzeug behalten und bis zu 25 Prozent des Kaufpreises erhalten:

Wenn Sie Ihr Fahrzeug behalten möchten, können Sie einen Schadensersatz in Höhe von bis zu 25 Prozent des Kaufpreises geltend machen. Diese Entschädigungssumme kompensiert die eingetretene Wertminderung durch Bekanntwerden des Skandals.

Gern beraten wir Sie zu Ihren rechtlichen Möglichkeiten und finden gemeinsam mit Ihnen die beste Lösung für Ihren Fall.

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Fragen und Antworten zum Diesel Software-Update

Welche Rückrufmaßnahme gab es bisher seitens der Autohersteller?
Welche Fahrzeuge wurden bisher offiziell zurückgerufen?
Habe ich nach der Durchführung eines Software-Update schlechtere Chancen auf Schadensersatz?
Was kostet mich die Durchsetzung meiner Schadensersatzansprüche?
Wie stehen die Chancen im Falle einer Klage?

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