17.
Dez 2021

Pössl-Wohnmobile wurden illegal manipuliert

Der Fiat Ducato wird von fast allen Wohnmobilherstellern besonders gern als Fahrgestell genutzt. So setzt auch das bayerische Unternehmen Pössl seit Jahren auf den Ducato. Doch die als besonders flexibel geltenden Pössl-Wohnmobile sind bei der Abgasreinigung oftmals wohl etwas zu flexibel. Viele Fiat Ducato-Modelle wurden nämlich illegal manipuliert und stoßen unerlaubt viele Schadstoffe aus. Betroffenen Haltern droht im schlimmsten Fall die Stilllegung ihres Wohnmobils.

Staatsanwaltschaft Frankfurt machte Wohnmobil-Abgasskandal 2020 öffentlich

Spätestens seit dem Herbst 2020 ist klar: Auch Wohnmobile sind vom Abgasskandal betroffen. Damals verkündete die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach mehreren Razzien in Fiat-Geschäftsgebäuden, dass wohl allein in Deutschland mehr als 200.000 illegal manipulierte Fiat-Fahrzeuge zugelassen wurden – vor allem Wohnmobile.

Unabhängige Abgastests der Deutschen Umwelthilfe (DUH) haben die illegalen Manipulationen längst bestätigt. Die Umwelt-Organisation fand heraus, dass Wohnmobile, die auf Basis eines Fiat Ducato gebaut wurden, im Normalbetrieb oft das Vielfache der zulässigen Stickoxidmengen ausstoßen. Daher hätten sie eigentlich nie zugelassen werden dürfen. Die Typengenehmigung erhielten die Fahrzeuge nur, weil die Fahrzeuge illegale Abschalteinrichtungen enthielten, die die Autos während amtlicher Abgastests sauber wirken ließen.

Pössl-Wohnmobile aus diesen Baujahren betrifft der Abgasskandal

Für die Wohnmobil-Szene ist dies natürlich ein Schock. Der PKW-Abgasskandal hat nämlich gezeigt, dass manipulierte Fahrzeuge unter anderem massiv an Wert verlieren und im schlimmsten Fall sogar stillgelegt werden können. Da rund zwei Drittel aller Wohnmobile auf Basis des Fiat Ducato gebaut werden, ist der mögliche Schaden groß. Tatsächlich setzen fast alle namhaften Wohnmobilhersteller auf das Fahrgestell des Fiat Ducato.

Auch Pössl-Wohnmobile aus der D Line-Serie werden beispielsweise auf Basis des Fiat Ducato gebaut. Dementsprechend sind mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit auch Wohnmobile des Herstellers aus Traunstein vom Abgasskandal betroffen. Bei den manipulierten Wohnmobilen handelt es sich um Fahrzeuge der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6. Die Reisemobile wurden zwischen 2014 und 2019 gebaut.

Manipulierten Wohnmobilen droht die Stilllegung

Der Abgasskandal führt im schlimmsten Fall sogar zur Stilllegung der betroffenen Wohnmobile. Die manipulierten Fahrzeuge hätten nämlich eigentlich nie zugelassen werden dürfen. Doch bislang ist nicht absehbar, ob und wann die Abgasreinigung der manipulierten Fahrzeuge normalisiert wird. Zu Rückrufen von betroffenen Wohnmobilen kam es bislang noch nicht.

Das liegt daran, dass die italienischen Behörden eigentlich für die Rückrufe von Fiat-Fahrzeugen verantwortlich sind. Obwohl die italienische Regierung umfassend über den Fiat-Abgasskandal informiert wurde, scheinen die Behörden dort aber nicht zu handeln. Experten vermuten, dass diese Tatenlosigkeit auf dem Einfluss der italienischen Automobillobby basiert.

Sobald die Besitzer der manipulierten Autos in Form von Rückrufschreiben über die Manipulationen informiert werden, droht Fiat nämlich eine Klagewelle. Schließlich hätten die meisten Fahrzeugbesitzer ihre Wohnmobile sicherlich nicht zu den gleichen Konditionen erworben, wenn sie zum Kaufzeitpunkt bereits von dem Abgasskandal gewusst hätten.

Früher oder später wird es jedoch auch bei Fiat-Wohnmobilen zu Rückrufen kommen. Die EU-Kommission hat wegen der ausbleibenden Rückrufe nämlich bereits ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Italien eingeleitet und auch das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat zuletzt die Reißleine gezogen und erstmals auch Fiat-Autos wegen des Abgasskandals zurückgerufen. Dabei ging es um den Fiat 500X und den Fiat Doblò. Als nächstes könnte nun der Ducato und damit auch zahlreiche Wohnmobile an der Reihe sein.

Schadensersatzansprüche im Wohnmobil-Abgasskandal

Wer ein Pössl-Wohnmobil mit Fiat Ducato Basis besitzt, sollte sich bereits jetzt über die rechtlichen Möglichkeiten in der Sache informieren und prüfen, ob das eigene Fahrzeug möglicherweise vom Abgasskandal betroffen ist. Die Kanzlei Goldenstein bietet hierfür beispielsweise eine kostenfreie Erstberatung an.

Wohnmobil-Besitzer haben grundsätzlich die Möglichkeit, sich juristisch gegen diesen Betrug zu wehren. So besteht beispielsweise die Option, das manipulierte Wohnmobil an den verantwortlichen Motoren-Hersteller zurückzugeben, um im Gegenzug eine Entschädigung zu erhalten, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Alternativ ist es aber auch möglich, das eigene Fahrzeug zu behalten und nur einen Teil des Kaufpreises als finanzielle Entschädigung zurückzuerhalten.

Abgasskandal-Klagen sind in vielen Fällen ohne finanzielles Risiko möglich. Wer nicht rechtsschutzversichert ist, kann zudem in der Regel auf die Dienste eines Prozesskostenfinanzierers zugreifen. Dieser übernimmt die vollen Verfahrenskosten und bezieht lediglich im Erfolgsfall einer Klage eine vorab definierte Provision. Im Rahmen des Wohnmobil-Dieselskandals richten sich entsprechende Klagen in der Regel gegen den Motorenhersteller. Es ist nämlich unklar, ob Hersteller wie Pössl tatsächlich von den Manipulationen wussten und somit haftbar gemacht werden können.

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