11.
Jan 2021

Abgasskandal: Was Wohnmobil-Halter wissen müssen

Trotz eindeutiger Ermittlungsergebnisse gibt es noch immer keine Rückrufaktionen im Wohnmobil-Dieselskandal. Dies führt dazu, dass die Halter von manipulierten Reisemobilen bislang teilweise nicht aktiv über den Skandal informiert werden. Die EU-Kommission ermittelt bereits wegen der ausgebliebenen Rückrufe. Wohnmobil-Besitzer sollten sich dennoch bereits jetzt über ihre Rechte informieren.  

Wie wurde der Wohnmobil-Dieselskandal aufgedeckt? 

Der Automobilzulieferer Bosch belastete Fiat und dessen Tochterunternehmen Iveco bereits vor Jahren im Dieselskandal. Demnach belieferte Bosch den italienischen Konzern mit Motor- und Dosiersteuergeräten, mit deren Software der Autohersteller den Schadstoffausstoß seiner Diesel-Fahrzeuge manipulierte. Fiat-Modelle wie der Ducato zählen zu den beliebtesten Fahrgestellen für den Bau von Wohnmobilen. 

Während Fiat in den USA bereits Hunderte Millionen Dollar aufbringen musste, um im Rahmen des Dieselskandals eine Einigung mit den verantwortlichen Behörden zu erzielen, geschah in Europa lange nichts. Erst 2020 führte die Staatsanwaltschaft Frankfurt mehrere Razzien in Geschäftsräumen von Fiat und Iveco in Deutschland, Italien und der Schweiz durch. Einige Monate später veröffentlichten die Ermittler ihre ersten Ergebnisse: Allein in Deutschland seien rund 200.000 illegal manipulierte Fahrzeuge aus dem Fiat-Konzern zugelassen worden sein – darunter zahlreiche Wohnmobile. 

 

So wurden die Wohnmobile manipuliert 

Die betroffenen Fahrzeuge halten die vorgeschriebenen Schadstoff-Grenzwerte während amtlicher Zulassungstest ein, stoßen im Normalbetrieb jedoch ein Vielfaches der zulässigen Schadstoffmengen aus. Die Motoren sollen so manipuliert worden sein, dass ihre Abgasreinigung nach 22 Minuten komplett aussetzt. Ein Zulassungstest dauert im Normalfall etwa 20 Minuten.  

Auch der Einsatz von Thermofenstern wurde während unabhängigen Abgastests von Fiat-Fahrzeugen festgestellt. Diese Form der Abschalteinrichtung sorgt dafür, dass die Abgasreinigung nur bei bestimmten Temperaturen funktioniert. Auch dieses Verhalten ist natürlich illegal.  

 

Diese Fahrzeuge sind vom Wohnmobil-Dieselskandal betroffen 

Zahlreiche Reisemobil-Hersteller setzen auf die Fahrgestelle und Motoren von Fiat und Iveco. Dazu zählen nahezu sämtliche namhafte Hersteller – unter anderem auch Hymer, Carthago und Dethleffs. Bislang ist bekannt, dass Fahrzeuge aus den Baujahren 2014 bis 2019 mit den folgenden Motorentypen vom Wohnmobil-Abgasskandal betroffen sind: 1.3 Liter 16V Multijet1.6 Liter Multijet1.6 Liter2.0 Liter Multijet2.0 Liter2.2 Liter Multijet II2.3 Liter2.3 Liter Multijet, 3.0 Liter. Es ist jedochh wahrscheinlich, dass auch weitere Fahrzeuge illegal manipuliert wurden. 

 

Diese Folgen hat der Wohnmobil-Dieselskandal 

Wer ein manipuliertes Wohnmobil besitzt, muss im schlimmsten Fall mit der Stilllegung seines Fahrzeugs rechnen. In jedem Fall wird der Dieselskandal auch in der Wohnmobil-Branche für enorme Wertverluste sorgen, denn die Nachfrage nach manipulierten Fahrzeugen ist nicht sehr hoch. Dies hat der PKW-Dieselskandal bereits gezeigt. 

Darüber hinaus wird es früher oder später zu Rückrufaktionen kommen und die betroffenen Fahrzeuge müssen Soft- oder Hardware-Updates erhalten, die die Abgasreinigung normalisieren.  Im Rahmen des PKW-Dieselskandals führten diese Updates jedoch häufig nicht nur zu einer verbesserten Abgasreinigung, sondern auch zu einem erhöhten Kraftstoffausstoß sowie einer verminderten Leistung. Auch dies mindert den Wert der betroffenen Fahrzeuge und führt häufig zu Unmut bei den Besitzern. 

 

Die Rechte von betroffenen Haltern 

Die Manipulation von Fahrzeugen ist kein Kavalliersdelikt, sondern schwerer Betrug. Die Halter von Dieselskandal-Fahrzeugen haben daher Anspruch auf Schadensersatz.  So ist es möglich, das manipulierte Wohnmobil an den verantwortlichen Hersteller zurückzugeben und im Gegenzug den ursprünglichen bezahlten Preis als Entschädigung zu erhalten. Alternativ kann das Fahrzeug auch behalten werden und ein Anteil des Kaufpreises geltend gemacht werden. Auf diesem Wege lassen sich etwa 20 bis 25 Prozent des Kaufpreises geltend machen. 

Wichtig zu wissen ist, dass sich die Schadensersatzansprüche im Wohnmobil-Dieselskandal in der Regel gegen den Motoren-Hersteller richten. Es ist davon auszugehen, dass Reisemobilhersteller wie Hymer und Co. Die manipulierten Motoren auch nur unwissentlich verbaut haben. Fiat und Iveco tragen in diesem Fall die volle Verantwortung. Obwohl die Unternehmen im Ausland sitzen, können Fahrzeughalter ihre Rechte in Deutschland durchsetzen. Dazu müssen diese sich in jedem Fall an einen Anwalt wenden. Bei der Kanzlei Goldenstein ist die Beratung zu diesem Thema kostenfrei. 

 

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