05.
Apr 2022

AdBlue-Preise steigen drastisch: Die Folgen für Diesel-Halter

Nicht nur die Spritpreise sind in den vergangenen Wochen in die Höhe geschossen, sondern auch die Kosten für AdBlue. Diese Harnstofflösung benötigen viele Diesel-Fahrzeuge, um ihren Stickoxidausstoß zu senken. Teilweise hamstern große Logistik- und Speditionsunternehmen die Flüssigkeit bereits, um AdBlue-Engpässen vorzubeugen. Doch mit welchen Einschränkungen müssen PKW-Fahrer wegen der aktuellen Entwicklung rechnen?

Es wird weniger AdBlue produziert – Preise steigen enorm

Bereits im Dezember 2021 befürchtete der ADAC, dass deutschlandweit mehrere Millionen Diesel-Autos stillgelegt werden könnten, weil es immer weniger AdBlue-Flüssigkeit gibt und diese immer teurer wird. Das liegt vor allem daran, dass AdBlue aus Ammoniak und Kohlendioxid hergestellt wird und für die Produktion von Ammoniak viel Strom benötigt wird.

Da die Energiekosten in den vergangenen Wochen enorm gestiegen sind, haben einige AdBlue-Hersteller ihre Produktion bereits eingeschränkt oder sogar komplett eingestellt. Aktuell gibt es dementsprechend immer weniger AdBlue am Markt und die Preise hierfür haben sich von 19 Cent pro Liter im Jahr 2020 auf aktuell bis zu 4 Euro pro Liter teilweise mehr als verzwanzigfacht.

AdBlue-Mangel kann zu Fahrzeug-Stilllegung führen

Sollte AdBlue in den kommenden Wochen nicht länger verfügbar sein, würden laut ADAC mehrere Millionen Fahrzeuge in Deutschland nicht mehr funktionieren. Demnach fahren die Autos zwar weiter, wenn der AdBlue-Tank leer ist. Doch die betroffenen Fahrzeuge lassen sich nicht wieder starten, wenn ihr Motor einmal ausgeschaltet wurde.

Ein Liter AdBlue reicht im Normalfall etwa 750 Kilometer aus. Da AdBlue-Tanks in der Regel ein Fassungsvermögen in Höhe von acht bis 33 Litern haben, muss die Flüssigkeit bei einer durchschnittlichen Laufleistung in Höhe von 15.000 Kilometern pro Jahr also im besten Fall nur alle eineinhalb Jahre nachgefüllt werden. Doch vor allem die Halter von Fahrzeugen, die vom Abgasskandal betroffen sind, müssen deutlich häufiger auf einen leeren AdBlue-Tank reagieren.

Mercedes manipulierte AdBlue-Verbrauch auf illegale Weise

So haben die Motorenentwickler von Mercedes-Benz beispielsweise jahrelang nur sehr kleine AdBlue-Tanks in Mercedes-Fahrzeugen eingeplant, um noch genug Platz für den Kofferraum einplanen zu können. Damit Mercedes-Fahrer trotzdem möglichst selten AdBlue-Flüssigkeit nachfüllen müssen, entwickelte Mercedes eine Software, die den AdBlue-Verbrauch drastisch reduzierte.

Lediglich während amtlicher Abgastests funktionierte die Abgasreinigung mittels der AdBlue-Flüssigkeit einwandfrei. Schließlich wären die manipulierten Fahrzeuge aufgrund ihres hohen Abgasausstoßes ansonsten nie zugelassen worden.

Nachdem dieser Betrug auffiel, musste Mercedes die Abgasreinigung der betroffenen Fahrzeuge jedoch mit einem Software-Update normalisieren. Dieses führte allerdings nicht nur zu besseren Abgaswerten, sondern auch zu einem deutlich höheren AdBlue-Verbrauch. Plötzlich wurden die kleinen AdBlue-Tanks also zu einem extremen Nachteil für betroffene Mercedes-Besitzer.

Software-Updates wegen Abgasskandal führen zu erhöhtem AdBlue-Verbrauch

Generell klagen herstellerübergreifend viele Halter von illegal manipulierten Fahrzeugen nach der Durchführung eines verpflichtenden Software-Updates unter anderem über einen erhöhte Kraftstoff- und AdBlue-Verbrauch. Das geht nicht nur ins Geld, sondern kann im schlimmsten sogar eine Stilllegung des betroffenen Fahrzeugs führen, wenn sich die öffentlich verfügbaren AdBlue-Reserven in Deutschland tatsächlich einmal dem Ende neigen.

Wer ein Fahrzeug besitzt, das vom Abgasskandal betroffen ist, kann sich allerdings gegen die unliebsamen Folgeerscheinungen von Software-Updates wehren. Neben einem erhöhten AdBlue-Verbrauch führen diese Updates nämlich unter anderem auch zu Leistungseinbrüchen und im schlimmsten Fall sogar zu kostspieligen Motorschäden. Die manipulierten Fahrzeuge waren nämlich nie darauf ausgelegt, Schadstoffe in hohe Maße zu filtern. Wegen dieser unvorhersehbaren Folgeschäden können betroffene PKW-Besitzer Schadensersatzansprüche durchsetzen.

Die Schadensersatzansprüche im Abgasskandal

So besteht unter anderem die Möglichkeit, das Auto an den verantwortlichen Hersteller zurückzugeben. Im Gegenzug winkt eine finanzielle Entschädigung, die sich an dem ursprünglich gezahlten Kaufpreis orientiert.

Alternativ zur Fahrzeugrückgabe besteht zudem die Option, das eigene Auto zu behalten trotzdem Schadensersatzansprüche geltend zu machen. In diesem Fall lässt sich eine Entschädigungssumme durchsetzen, die etwa 20 Prozent des ursprünglich gezahlten Kaufpreises beträgt. Diese Form des Schadensersatzes soll betroffene Verbraucher für die Wertverluste aufgrund des Abgasskandals entschädigen.

Abgasskandal-Klagen sind in vielen Fällen ohne finanzielles Risiko möglich. Wer nicht rechtsschutzversichert ist, kann in der Regel auf die Dienste eines Prozesskostenfinanzierers zugreifen. Dieser übernimmt die vollen Verfahrenskosten und bezieht lediglich im Erfolgsfall einer Klage eine vorab definierte Provision. Die Kanzlei Goldenstein berät betroffene Verbraucher gern kostenfrei bezüglich ihrer rechtlichen Möglichkeiten im Zusammenhang mit dem Abgasskandal.

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