14.
Feb 2022

Bessere Luft in deutschen Städten und trotzdem drohen weitere Fahrverbote

Das Umweltbundesamt hat aktuell vorläufige Zahlen zur Luftverschmutzung in deutschen Städten vorgelegt. Demnach kam es 2021 voraussichtlich in weniger als fünf Städten zu einer Überschreitung des vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwertes in Höhe von 40 Mikrogramm pro Kilometer. Dennoch könnten bald weitere Diesel-Fahrverbotszonen in Deutschland eingerichtet werden, denn die EU plant eine zeitnahe Anpassung der zulässigen Feinstaubwerte.

Hohe Feinstaub-Belastung bislang nur in München und Ludwigsburg nachweisbar

2019 wurden die Stickoxid-Grenzwerte deutschlandweit noch in 25 Städten überschritten. Zu diesem Zeitpunkt wurde deshalb sogar diskutiert, die Grenzwerte nach oben hin anzupassen, denn es galt als unmöglich, die vorgeschriebenen Richtwerte einzuhalten.

Mittlerweile werden die EU-weit geltenden Feinstaub-Grenzwerte in allen deutschen Städten bis auf München und Ludwigsburg unterschritten. Zudem schätzt das Umweltbundesamt, dass im Zuge der finalen Auswertung aller deutschen Feinstaubdaten höchstens in zwei weiteren Städten eine Überschreitung der Stickoxid-Grenzwerte festgestellt wird.

Umweltbundesamt nennt Gründe für bessere Feinstaubwerte

Dass die Luft in Deutschland immer sauberer wird, begründet das Umweltbundesamt unter anderem damit, dass hierzulande immer modernere und umweltfreundliche Fahrzeuge unterwegs sind. Zudem haben weniger Autofahrten in Folge der Corona-Pandemie und lokale Maßnahmen wie die Einrichtung von Diesel-Fahrverbotszonen zu einer verbesserten Luftqualität beigetragen.

Obwohl einige dieser Fahrverbotszonen aufgrund der verbesserten Luftqualität bereits wieder abgebaut wurden, kann nicht von einem endgültigen Ende solcher Maßnahmen zur Luftverbesserung die Rede sein. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt mittlerweile nämlich deutlich niedrigere Feinstaub-Grenzwerte in Höhe von 10 Mikrogramm Stickoxid pro Kilometer. Das liegt daran, dass sich noch immer Zehntausende Todesfälle in Deutschland auf eine dauerhafte Belastung mit Feinstaub zurückführen lassen.

EU plant strengere Umwelt-Vorschriften

Schon im Herbst 2022 wird die EU-Kommission eine Änderung der geltenden Luftqualitätsrichtlinie vorschlagen. Demnach sollen die vorgeschriebenen Grenzwerte den Richtwerten der WHO angenähert werden. Deutschland hat sich bereits dazu bereiterklärt, diese Novellierung der Luftqualitätsrichtlinie unterstützen.

Welche Grenzwerte dann festgelegt werden, ist bislang reine Spekulation. Doch das Umweltbundesamt führte bereits an, dass die von der WHO vorgeschlagenen Grenzwerte aktuell in ganz Deutschland überschritten werden. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass es im Zuge der Novellierung der EU-Luftqualitätsrichtlinie wieder zur Einrichtung neuer Diesel-Fahrverbotszonen und zu strengeren Geschwindigkeitsbegrenzungen in deutschen Städten kommen wird.

Dieselskandal trug zu Feinstaubbelastung bei

Dass überhaupt Diesel-Fahrverbotszonen aufgrund einer hohen Schadstoffbelastung eingerichtet werden mussten, lag auch an dem Abgasskandal. Deutschlandweit wurden mehrere Millionen Fahrzeuge so konzipiert, dass diese die vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte nur während amtlicher Abgastests einhielten. Im Normalbetrieb emittierten die manipulierten Fahrzeuge allerdings unerlaubt viele Schadstoffe und sorgten somit auch für eine schlechtere Luft.

Zwar wurden die manipulierten Fahrzeuge mittlerweile millionenfach zurückgerufen, damit ihre Abgasreinigung mit einem Software-Update normalisiert wird. Doch unabhängige Abgastests haben ergeben, dass die vorgeschriebenen Stickoxid-Grenzwerte teilweise auch nach einem solchen Update überschritten werden. Zudem klagen viele Halter von upgedateten Fahrzeugen über Folgeschäden. Autoexperten bestätigen, dass die Abgasskandal-Autos im schlimmsten Fall sogar Motorschäden erleiden können, wenn sie plötzlich deutlich größere Abgasmengen filtern müssen.

Schadensersatzansprüche im Abgasskandal

Wer ein illegal manipuliertes Auto besitzt, kann sich jedoch gegen diesen Betrug wehren. So besteht unter anderem die Möglichkeit, den verantwortlichen Hersteller juristisch zur Rücknahme des manipulierten Autos zu verpflichten. Im Gegenzug winkt eine Entschädigungszahlung, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Alternativ ist es auch möglich, das eigene Fahrzeug zu behalten und einen Teil des Kaufpreises in Form einer finanziellen Entschädigung durchzusetzen. Dadurch soll der Wertverlust kompensiert werden, der durch den Abgasskandal entstanden ist.

Abgasskandal-Klagen sind oft ohne finanzielles Risiko möglich. Sämtliche Rechtsschutzversicherungen übernehmen nämlich alle anfallenden Kosten für ihre Kunden. Wer nicht versichert ist, kann zudem auf die Dienste eines sogenannten Prozesskostenfinanzierers zurückgreifen. Dieser übernimmt das komplette Verfahrensrisiko für Verbraucher und bezieht ausschließlich im Erfolgsfall eine geringe Provision für diese Dienste.

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