18.
Jan 2021

Ermittlungen wegen ausbleibender Rückrufe im Wohnmobil-Dieselskandal

Schon vor Jahren gab Bosch zu, dass der Automobilzulieferer auch Fiat eine Software zur Manipulation der Abgasreinigung von Automobilen bereitstellte. Abgastests bestätigten diese Anschuldigungen schnell. Mittlerweile steht fest: Selbst Wohnmobile sind von den Manipulationen betroffen. In den USA zahlte der italienische Konzern deshalb bereits rund 700 Millionen Dollar und verpflichtete sich unter anderem zu der Nachrüstung von rund 100.000 Fahrzeugen. In Europa wurden die manipulierten Fahrzeuge jedoch bislang noch nicht einmal offiziell zurückgerufen und verschmutzen die Umwelt weiterhin. Deshalb ermittelt die EU-Kommission aktuell gegen Italien. 

Italienische Behörden halten sich bedeckt 

Für die Rückrufe bei Fiat sind nämlich die italienischen Behörden verantwortlich. Diese haben den Fahrzeugen von Fiat die Typenzulassung erteilt. Demnach sind sie auch für Rückrufe von Fahrzeugen aus dem Fiat-Konzern verantwortlich. Zum Hintergrund: Wird ein Fahrzeug in einem EU-Land zugelassen, darf es in der gesamten EU verkauft werden.  

Von dem Abgasskandal bei Fiat wissen die italienischen Behörden bereits seit Jahren. Das deutsche Verkehrsministerium informierte die Italiener, nachdem es im Anschluss an die Bosch-Aussagen Abgastests durchführen ließ. Auf das Schreiben des Ministeriums reagierten die Verantwortlichen in Italien jedoch nicht. Auch das deutsche Verkehrsministerium hakte diesbezüglich nicht noch einmal nach. 

 

Rund 200.000 manipulierte Fiat-Fahrzeuge in Deutschland zugelassen 

Allein in Deutschland sind rund 200.000 manipulierte Fahrzeuge aus dem Fiat-Konzern zugelassen. Diese Informationen veröffentlichte die Staatsanwaltschaft Frankfurt im Oktober 2020, nachdem diese im Sommer letzten Jahres Razzien in italienischen, deutschen und schweizerischen Geschäftsgebäuden von Fiat und dessen Tochterunternehmen Iveco durchführen ließ. 

Neben Fiat- und Iveco-Modellen sind auch Fahrzeuge der Konzernmarken Alfa-Romeo, Jeep und Lancia vom Abgasskandal betroffen. Selbst zahlreiche Wohnmobile fahren mit illegal manipulierten Fiat-Motoren auf deutschen Straßen. Der Fiat Ducato, der ebenfalls vom Abgasskandal betroffen ist, dient beispielsweise als Basis für die Reisemobile von zahlreichen namhaften Wohnmobil-Herstellern wie zum Beispiel Hymer. 

 

Verbraucheranwalt rät zu rechtlichen Schritten gegen Fiat 

Hunderttausende Deutsche fahren manipulierte Fahrzeuge aus dem Fiat-Konzern und wissen dies nicht einmal. Das ist ein Skandal”, meint der Rechtsanwalt Claus Goldenstein, Inhaber der Kanzlei Goldenstein. Er ergänzt:  

Es wird höchste Zeit, dass die manipulierten Fahrzeuge zurückgerufen werden und der Abgasskandal bei Fiat endlich vollständig aufgeklärt wird. Je länger die PKW auf den Straßen bleiben, umso höher fällt der Schaden für die Umwelt und die betrogenen Kunden des Konzerns aus. Die PKW stoßen nämlich ein Vielfaches der zugelassenen Schadstoffwerte aus und hätten nie zugelassen werden dürfen. 

Die Vermutung liegt nahe, dass Italien die Rückrufe zurückhält, um Fiat zu schützen. Dann müsste sich Fiat nämlich weltweit gegenüber den Behörden, seinen Anlegern und seinen Kunden verantworten. Dem Konzern drohen Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die italienischen Behörden diesen Schaden minimieren möchten, um einen der größten Arbeitgeber des Landes zu schützen. Doch auch ein Großkonzern darf bei Verfehlungen nicht über dem Gesetz stehen. 

Betroffene Halter können und sollten sich bereits jetzt bezüglich ihrer rechtlichen Möglichkeiten informieren. Wer zwischen 2014 und 2020 einen Diesel aus dem Fiat Chrysler-Konzern gekauft hat, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit vom Dieselskandal betroffen und hat Anspruch auf Schadensersatz.  

Wer mit der Durchsetzung seiner Rechte wartet, muss später mit einer niedrigeren Entschädigung rechnen. Der Schadensersatzanspruch sinkt nämlich mit jedem gefahrenen Kilometer. Verzugszinsen, die diesen Wertverfall ausgleichen sollen, werden hingegen erst ab dem Tag der Klage-Erhebung fällig. Gern beraten wir von der Kanzlei Goldenstein betroffene Halter kostenfrei bezüglich ihrer juristischen Möglichkeiten im Dieselskandal.” 

 

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal  

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiter zu nutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. Die Rechtsansprüche im Abgasskandal bestehen auch, wenn ein Software-Update zur Normalisierung der Abgasreinigung bereits durchgeführt wurde. 

  

So setzen sich die Entschädigung zusammen 

Die jeweilige Entschädigungssumme im Abgasskandal setzt sich aus dem ursprünglichen Kaufpreis des Fahrzeuges abzüglich einer Nutzungsentschädigung zusammen. Letztere ist abhängig von der individuellen Laufleistung des jeweiligen Fahrzeuges. Darüber hinaus erhalten die betroffenen Fahrzeughalter Verzugszinsen, die die Entschädigungssumme erhöhen. 

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