10.
Jun 2021

Kraftfahrt-Bundesamt bestätigt den Wohnmobil-Abgasskandal

Der Präsident des Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), Richard Damm, hat den Wohnmobil-Dieselskandal aktuell bestätigt. In einem Schreiben an die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gab Damm an, dass die Behörde bei mehreren Wohnmobilen hohe Stickoxidemissionen aufgrund von Unzulässigkeiten festgestellt habe. Wohnmobil-Besitzer müssen sich nun auf weitere Fahrzeug-Rückrufe gefasst machen.

Wohnmobile überschreiten Stickoxid-Grenzwerte um ein Vielfaches

Bereits im Januar und im April 2021 hatte die Deutsche Umwelthilfe während Abgasmessungen festgestellt, dass der Fiat Ducato 130 Multijet Euro 6 und der VW T5 2.0 TDI California Euro 5 teilweise 19-mal mehr Stickoxid ausstoßen, als es eigentlich erlaubt wäre. Die Umwelt-Organisation übermittelte diese Ergebnisse an das KBA und forderte eine Überprüfung der Typenzulassung dieser Fahrzeuge. Die Antwort des KBA-Präsidenten lässt darauf schließen, dass die Behörde einen Rückruf mehrerer Wohnmobile aktuell bereits prüft.

Der Wohnmobil-Abgasskandal ist bereits seit letztem Herbst omnipräsent. Damals veröffentlichte die Staatsanwaltschaft Frankfurt nach mehreren Razzien die Information, dass allein in Deutschland mehr als 200.000 Fahrzeuge von Iveco und dem Fiat-Konzern illegal manipuliert wurde. Das ist für Camper besonders brisant, denn rund zwei Drittel aller Wohnmobile werden auf Basis von Modellen wie dem Fiat-Ducato sowie den Iveco-Fahrzeugen Daily Hi-Matic, Daily 4×4 und Eurocargo gebaut. Auch die Staatsanwaltschaft Frankfurt gab in ihrem damaligen Statement bekannt, dass die Manipulation vor allem Wohnmobil-Modelle betreffen.

 

Wussten die Behörden schon 2016 von dem Wohnmobil-Dieselskandal?

Laut Medienberichten soll der Automobilzulieferer Bosch bereits 2016 in Gesprächen mit dem Kraftfahrt-Bundesamt zugegeben haben, auch an Fiat Chrysler Motor- und Dosiersteuergeräte geliefert zu haben, mit deren Software der Konzern den Schadstoffausstoß seiner Diesel-Fahrzeuge manipulierte.

Das deutsche Verkehrsministerium leitete diese Information zwar an die italienischen Behörden weiter. Doch die dortigen Behörden haben bis heute keine Rückrufe der betroffenen Fahrzeuge angeordnet, weshalb die EU-Kommission sogar ein Vertragsverletzungsverfahren gegen das südeuropäische Land eröffnete. So erfolgte der erste offizielle Dieselskandal-Rückruf in der Sache erst im Jahr 2021, als das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt Iveco Daily-Fahrzeuge in die Werkstatt beorderte. Experten gehen nun davon aus, dass die Wohnmobil-Szene zeitnah von einer großen Rückrufwelle getroffen wird.

Diese Wohnmobile wurden illegal manipuliert

Laut der Staatsanwaltschaft Frankfurt betrifft der Wohnmobil-Dieselskandal sämtliche Fahrzeuge mit Euro 5- und Euro 6-Fiat-Motoren. Darüber hinaus wurden auch Wohnmobile, die auf Basis der VW-Modelle California, Crafter, T5 und T6 sowie der Daimler-Modelle Marco Polo, V-Klasse, Vito, Viano und Sprinter gebaut wurden, illegal manipuliert. Insgesamt nutzen mehr als 50 Reisemobil-Hersteller diese Fahrzeuge als Basis. Dazu zählen auch quasi alle namhaften Hersteller wie Hymer, Westfalia oder Dethleffs.

“Betroffene Wohnmobil-Besitzer sollten sich unbedingt rechtlich beraten lassen”, meint der Rechstanwalt Claus Goldenstein, der mit seiner Kanzlei mehr als 28.500 Mandanten im Abgasskandal vertritt. Er ergänzt: “Der PKW-Abgasskandal hat gezeigt, dass die Nachfrage nach manipulierten Fahrzeugen nicht sehr hoch ist. Dementsprechend haben die betroffenen PKW enorm an Wert verloren und sind teilweise sogar von Stilllegungen betroffen. Gern beraten wir Wohnmobil-Besitzer kostenfrei bezüglich ihrer juristischen Möglichkeiten in der Sache.”

Diese Rechte haben betroffene Wohnmobil-Besitzer

Wer ein manipuliertes Wohnmobil besitzt, hat die Möglichkeit, das Fahrzeug zu behalten und eine Entschädigung in Höhe von 20 bis 25 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises durchzusetzen. Deutlich höhere Entschädigungen erhalten Wohnmobil-Besitzer, die ihr Fahrzeug an den verantwortlichen Hersteller zurückgeben.

In diesem Fall sind Summen, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientieren, gängig. Zudem werden auch nachträgliche Einbauten wie zum Beispiel Heizungen oder Solaranlagen bei der Berechnung des Schadensersatzes berücksichtigt. Ihre Rechtsansprüche in der Sache können Wohnmobil-Besitzer mithilfe einer Anwaltskanzlei durchsetzen. Anzeigen führen hingegen nicht zu einer zivilrechtlichen Aufarbeitung des Wohnmobil-Abgasskandals.

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