16.
Mrz 2021

Rechtsdurchsetzung von Österreichern in Deutschland möglich

Hunderttausende Österreicher besitzen manipulierte Fahrzeuge von Herstellern wie Audi, Porsche, Volkswagen oder Daimler. Die Automobile haben wegen des Abgasskandals enorm an Wert verloren und könnten noch immer jederzeit stillgelegt werden. So urteilte das OLG Wien beispielsweise, dass auch das Software-Update von VW nicht ausreicht, um die Straßenzulassung von manipulierten Fahrzeugen zu garantieren. Während österreichische PKW-Halter aber weiterhin auf ein Grundsatzurteil warten, profitieren sie bereits heute von der konsumentenfreundlichen Auslegung in Deutschland.

Deshalb können Österreicher ihre Rechte auch in Deutschland durchsetzen

Im Fall von Betrug oder einer sittenwidrigen Handlung – so der Tatbestand im Abgasskandal – haben die geschädigten Personen nämlich die Möglichkeit, ihre Rechte am eigenen Wohnort oder dem Gerichtsstand der anderen Partei durchzusetzen. Wer also seine Rechte im Abgasskandal durchsetzen möchte, kann dies auch an den deutschen Gerichten in Ingolstadt, Stuttgart und Braunschweig tun. Dort haben die Automobilhersteller Audi, Mercedes-Benz, Porsche und VW ihre Hauptsitze

In Deutschland verkündeten die obersten Richter am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe vor knapp einem Jahr, dass die Halter von manipulierten Fahrzeugen Schadensersatzansprüche haben. Das Urteil, das von Goldenstein Rechtsanwälte erwirkt wurde, verhalf mehreren Millionen betroffenen PKW-Haltern zu Rechtssicherheit. Zunächst gilt die Entscheidung nur für manipulierte Fahrzeuge aus dem VW-Konzern, doch sie lässt sich jedoch grundsätzlich auf alle manipulierten Fahrzeuge übertragen.

Entschädigung im Abgasskandal fast 12.000 Euro über Fahrzeug-Marktwert

Insgesamt erhielt der BGH-Kläger eine Entschädigung in Höhe von 29.805,32 Euro und gab sein manipuliertes Fahrzeug dafür an VW zurück. Tatsächlich hatte er dieses knapp sechs Jahre vorher für nur 1.700 Euro mehr gekauft und seitdem rund 50.000 Kilometer genutzt. Vergleichbare Modelle wurden zum Zeitpunkt des Urteils für gerade einmal rund 18.000 Euro auf dem Gebrauchtwagenmarkt gehandelt. Auch österreichische Halter von manipulierten Fahrzeuegn können in Deutschland Entschädigungen durchsetzen, die sich an dem ursprünglich gezahlten Kaufpreis des jeweiligen Fahrzeugs orientieren.

Das sind die Rechte im Abgasskandal

Wer ein illegal manipuliertes Fahrzeug besitzt, kann dieses mit juristischer Unterstützung an den verantwortlichen Hersteller zurückzugeben. Im Gegenzug winkt eine finanzielle Entschädigung, die sich aus dem ursprünglichen Kaufpreis des Fahrzeuges abzüglich einer

Nutzungsentschädigung zusammensetzt. Letztere ist abhängig von der individuellen Laufleistung des jeweiligen Fahrzeuges. Darüber hinaus erhalten die betroffenen Kläger ab dem Tag der Klage-Einreichung Verzugszinsen, die die Entschädigungssumme erhöhen.

Alternativ besteht auch die Option, das manipulierte Fahrzeug weiter zu nutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. In diesem Fall lassen sich etwa 20 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises in Form von Schadensersatz durchsetzen.

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