23.
Nov 2020

Skandal: Verkehrsministerium weiß seit 2016 von Wohnmobil-Abgasskandal

Der Wohnmobil-Dieselskandal ist in den vergangenen Wochen in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt verkündete zuletzt, dass allein in Deutschland rund 200.000 manipulierte Fiat- und Iveco-Fahrzeuge zugelassen wurden – darunter zahlreiche Wohnmobile. Tatsächlich weiß das deutsche Verkehrsministerium jedoch bereits seit 2016, dass der Fiat Ducato illegal manipuliert wurde. Das Fahrgestell des Ducato wird von zahlreichen Reisemobilherstellern als Basis genutzt. 

 

Wohnmobil-Dieselskandal: Betroffene Fahrzeughalter wurden nicht informiert 

Im Zusammenhang mit Ermittlungen im VW-Abgasskandal gab der Automobilhersteller Bosch im Frühjahr 2016 zu, dass das Unternehmen auch Fiat eine Software bereitstellte, mit der der italienische Konzern seine Fahrzeuge illegal manipulieren konnte. So soll die Abgasreinigung von diversen Fiat-Modellen nach 22 Minuten vollständig abschalten. 

Da offizielle Fahrzeugtests in der Regel nur 20 Minuten dauern, wurden die Automobile dennoch zugelassen. Im tatsächlichen Straßenbetrieb stießen diese jedoch das neun bis 15-fache der zulässigen Stickoxid-Mengen aus. Das ist natürlich illegal. 

 

Wohnmobil-Dieselskandal: Betroffene Fahrzeughalter wurden nicht informiert 

Obwohl das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Überschreitung der Schadstoff-Grenzwerte diverser Fiat-Modelle bestätigte, wurden die betroffene Fahrzeughalter bislang nicht darüber informiert. Die illegal manipulierten Fahrzeuge sind zudem noch immer auf den Straßen unterwegs und schaden der Umwelt. Zwar informierte das deutsche Verkehrsministerium die italienischen Behörden über die Manipulationen. Eine Reaktion gab es jedoch nicht. 

Das ZDF-Fernsehmagazin Frontal21 fand 2018 sogar heraus, dass das KBA die Zulassung von illegal manipulierten Wohnmobilen bewusst erlaubte. Damals kontaktierte der Reisemobilhersteller Knaus Tabbert den heutigen Verkehrsminister Andreas Scheuer, da das Unternehmen Angst vor den Folgen eines möglichen Zulassungsverbots der eigenen Fahrzeuge hatte. Das Fahrgestell des Fiat Ducato diente nämlich als Basis der Knaus Tabbert-Reisemobile. 

Scheuer versicherte dem Unternehmen nach Rücksprache mit dem KBA jedoch, dass die Wohnmobile trotz der Schadstoff-Überschreitungen für den Straßenbetrieb zugelassen würden. Bemühungen, dass Fiat die Wohnmobil-Motoren mittels Soft- oder Hardware-Updates sauber machen sollte, gab es von Seiten des Verkehrsministeriums keine. Neben Knaus Tabbert setzen auch führende Reisemobilhersteller wie Hymer, Carthago, Dethleffs und zahlreiche weitere Autobauer auf die illegal manipulierten Motoren von Fiat und Iveco. 

 

Rechtsanwalt rät Verbrauchern zu juristischen Schritten gegen Fiat und Iveco 

Es ist unglaublich, dass noch immer Hunderttausende illegal manipulierte Fahrzeuge auf den deutschen Straßen unterwegs sind und die Luft verschmutzen, obwohl der Fiat-Abgasskandal seit mehr als vier Jahren bekannt ist. Das deutsche Verkehrsministerium und die italienischen Behörden haben versäumt, Fiat wegen seiner kriminellen Aktivitäten unter Druck zu setzen”, fasst der Rechtsanwalt Claus Goldenstein das aktuelle Geschehen zusammen. Er ergänzt: 

Die größten Verlierer dessen sind die betrogenen Kunden. Diese wissen oft gar nicht, dass sie ein manipuliertes Fahrzeug besitzen und verpesten die Umwelt seit teilweise über vier Jahren, obwohl ihre Fahrzeuge eigentlich schon längst von Rückrufaktionen betroffen sein müssten. Erst jetzt kommt Bewegung in die Sache, nachdem die Staatsanwaltschaft Frankfurt in mehreren Ländern Razzien bei Fiat und Iveco durchführen ließ. 

Wer ein Wohnmobil aus den Baujahren 2014 bis 2019 besitzt, kann davon ausgehen, dass dieses höchstwahrscheinlich illegal manipuliert wurde. Zeitnah könnte es deshalb tatsächlich doch noch zu Rückrufaktionen kommen. Zudem droht den betroffenen Haltern ein extremer Wertverlust. Wir von der Kanzlei Goldenstein raten Wohnmobil-Besitzern daher unbedingt dazu, sich bezüglich ihrer Rechte zu informieren und stehen diesbezüglich für kostenlose und unverbindliche Erstgespräche zur Verfügung.” 

 

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal  

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiter zu nutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten.   

  

So setzen sich die Entschädigung zusammen  

Die jeweilige Entschädigungssumme im Dieselskandal setzt sich aus dem ursprünglichen Kaufpreis des Fahrzeuges abzüglich einer Nutzungsentschädigung zusammen. Letztere ist abhängig von der individuellen Laufleistung des jeweiligen Fahrzeuges. Darüber hinaus erhalten die betroffenen Kläger Verzugszinsen, die die Entschädigungssumme erhöhen. 

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