22.
Mrz 2021

So funktionieren die Abschalteinrichtungen von Daimler

Hunderttausende Mercedes-Fahrzeuge wurden so konzipiert, dass ihre Abgasreinigung nur während offizieller Zulassungstests einwandfrei funktioniert. Zuletzt gab das Verkehrsministerium diesbezüglich bekannt, dass Daimler – der Mutterkonzern von Mercedes-Benz – insgesamt fünf Abschalteinrichtungen einsetzte, um den Schadstoffausstoß der eigenen Automobile zu manipulieren. Doch wie funktionieren diese Abschalteinrichtungen eigentlich?


Das ist über die Abschalteinrichtungen von Daimler bekannt

In allen manipulierten Mercedes-Modellen wurden sogenannte Thermofenster verbaut. Hinter dieser Begrifflichkeit verbirgt sich eine Abschalteinrichtung, die nur bei bestimmten Temperaturen für eine korrekte Abgasreinigung sorgt. Die betroffenen Fahrzeuge halten die vorgeschriebenen Umweltrichtlinien demnach nur ein, wenn die Außentemperatur ungefähr 15-30 Grad Celsius beträgt. Außerhalb dieses Temperaturfensters überschreiten die manipulierten Mercedes-Autos die vorgeschriebenen Schadstoff-Grenzwerte teilweise enorm.

Während Abgastests, die nach dem Bekanntwerden des Dieselskandals durchgeführt wurden, entdeckte das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) jedoch noch weitere Abschalteinrichtungen. Beispielsweise können einige Mercedes-Fahrzeuge offizielle Zulassungstests erkennen und verbessern ihren Abgasausstoß in diesem Fall mithilfe einer reduzierten Kühlmittelsolltemperatur.

So fahren die betroffenen Fahrzeuge ihre Kühlmittelsolltemperatur auf dem Prüfstand von 100 auf 70 Grad Celsius herunter. Dies führt zu einem deutlich geringeren Stickoxid-Ausstoß. Im normalen Straßenbetrieb steigt die Temperatur dann wieder auf 100 Grad an und damit auch der Schadstoffausstoß auf ein unerlaubt hohes Niveau.

Darüber hinaus entdeckte das KBA, dass einige Fahrzeuge unter Prüfbedingungen die Abgasnachbehandlung per SCR-Kataylsator in einem effektiven Modus durchführen und ihre Schadstoffe somit gesetzeskonform filtern. Nach dem Ablauf des Prüfzyklus sowie dem Erreichen einer bestimmten Stickoxidmasse schalten die PKW jedoch dauerhaft in einen weniger effektiven Modus und stoßen mehr Schadstoffe aus, als es eigentlich erlaubt wäre.

 

Erhielten 1,4 Millionen Mercedes-Fahrzeuge ein fehlerhaftes Update?

Aufgrund dieser festgestellten Mängel ordnete das Kraftfahrt-Bundesamt den Rückruf von europaweit 1,4 Millionen Fahrzeugen an. Allein in Deutschland rief die deutsche Behörde mehr als 550.000 manipulierte Mercedes-Autos zurück.

Die betroffenen Fahrzeuge mussten in eine Vertragswerkstatt, damit die Abgasreinigung der Automobile durch ein Software-Update normalisiert werden konnte. Laut eines ZDF-Berichts stoßen die Dieselskandal-Fahrzeuge von Daimler jedoch nach der Durchführung des Updates teilweise noch mehr Schadstoffe aus als vorher. Woran das liegt, ist bislang unklar.

In dem Testfall hat das ZDF gemeinsam mit dem britischen Unternehmen Emissions Analytics eine Mercedes C-Klasse der Abgasnorm Euro 5 vor der Durchführung eines Software-Updates und danach geprüft. Obwohl das Fahrzeug die zugelassenen Stickoxid-Werte in Höhe von 180 mg/km bereits vor dem Update um das Vierfache übertraf, stieg der Ausstoß nach dem Update in einem ersten Test um weitere 49 mg/km an. Ein zweiter Test brachte sogar noch höhere Schadstoffwerte zum Vorschein.

 

Diese Mercedes-Modelle wurden manipuliert

Bei den manipulierten Dieselmotoren von Mercedes-Benz handelt es sich um die Modelle OM622, OM626, OM642 und OM651. Die Vier- bzw. Sechszylindermotoren wurden in beinahe sämtlichen Fahrzeugklassen der Diesel-Fabrikate verbaut. Dies betrifft die A-, B-, C-, E,- G-, R-, S- und V-Klasse sowie die Modellreihen CLA, CLS, GLC, GLE, GLK, GLS, Marco Polo, ML, SLC, SLK, Vito, Vito Tourer und Viano.

 

Das sind die Verbraucherrechte im Mercedes-Abgasskandal

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter haben die Möglichkeit, ihr manipuliertes Fahrzeug an den verantwortlichen Hersteller zurückzugeben. Im Gegenzug winkt eine finanzielle Entschädigung, die sich aus dem ursprünglichen Kaufpreis des Fahrzeuges abzüglich einer Nutzungsentschädigung zusammensetzt. Letztere ist abhängig von der individuellen Laufleistung des jeweiligen Fahrzeuges. Darüber hinaus erhalten die betroffenen Kläger ab dem Tag der Klage-Einreichung Verzugszinsen, die die Entschädigungssumme erhöhen.

Alternativ besteht auch die Option, das manipulierte Fahrzeug weiter zu nutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. In diesem Fall lässt sich etwa 20 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises in Form von Schadensersatz durchsetzen.

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