02.
Dez 2020

VW gibt Manipulationen des Motors EA 288 zu

Volkswagen hat erneut zugegeben, auch den Dieselmotor EA 288 manipuliert zu haben. Das berichtet die öffentlichrechtliche Rundfunkanstalt SWR. Ein VW Golf 7 mit besagtem Motor stieß in Abgastests deutlich mehr Schadstoffe aus, als es eigentlich erlaubt wäre. Im Rahmen einer Presseanfrage bestätigte VW, dass der Motor des Fahrzeugs eine Abschalteinrichtung enthalte, die die Abgasreinigung manipuliere. 

VW-Abgasskandal ist seit mehr als fünf Jahren bekannt 

In dem Vorgängermodell des EA 288 – dem EA 189 – wurde 2015 der Einbau einer Abschalteinrichtung festgestellt. Dadurch gab der Motor in Testsituationen andere Abgaswerte vor, als es im tatsächlichen Straßengebrauch der Fall war. In der Folge musste Volkswagen weltweit mehrere Millionen Fahrzeuge zurückrufen und diese einem Software-Update unterziehen.  

Im Mai 2020 erwirkte die Kanzlei Goldenstein das erste Bundesgerichtshof-Urteil in der Sache und sorgte somit für betroffene Verbraucher für Rechtssicherheit. Diese haben seitdem die Gewissheit, dass sie ihre manipulierte VW-Fahrzeuge an den Hersteller zurückgeben können und dafür eine hohe Entschädigung erhalten. 

 

EA 288-Motor enthält “Thermofenster” 

Auch der EA 288 steht seit längerem im Verdacht, manipuliert worden zu sein. Der Motor wurde seit 2012 in diversen Fahrzeugen von Volkswagen sowie dessen Tochterunternehmen Audi, Skoda und Seat eingebaut. Aktuelle Abgastests sollen den Manipulationsverdacht bestätigen. Demnach enthalte der Motor ein sogenanntes Thermofenster.  

Diese Abschalteinrichtung sorgt dafür, dass die betroffenen PKW die geltenden Umweltrichtlinien nur unter bestimmten Temperaturen einhalten und ansonsten das Vielfache der erlaubten Menge ausstoßen. Volkswagen bestätigte nun den Einbau eines Thermofensters, bewertet diese Manipulation jedoch als legal. 

 

Volkswagen ist sich keiner Schuld bewusst  

Den Einbau in Modellen einer Abschalteinrichtung in PKW-Modellen mit dem EA 288-Motor soll der Wolfsburger Konzern bereits im Oktober 2019 im Rahmen einer Verhandlung vor dem Duisburger Landgericht bestätigt haben. In dem Fall ging es um einen VW Golf VII TDI. Das Gericht verurteilte Volkswagen daraufhin wegen vorsätzlicher sittenwidriger Handlung und ordnete die Rücknahme des Fahrzeuges sowie die Erstattung des ursprünglichen Kaufpreises an. 

Auch damals war sich Volkswagen keiner Schuld bewusst und argumentiert, dass für die Zulassung eines Fahrzeuges ausschließlich die Schadstoff-Werte zählen, die auf dem Prüfstand festgestellt werden. Im tatsächlichen Straßenbetrieb gebe es hingegen rechtlich betrachtet gar keine Emissionsgrenzwerte, die es zu beachten gilt. Dieser Argumentation widersprechen mittlerweile bereits 16 deutsche Landgerichte, die VW wegen der Manipulation der EA 288-Motoren zur Zahlung von Schadensersatz verurteilt haben. 

  

Claus Goldenstein, Rechtsanwalt und Inhaber der Kanzlei Goldenstein, kommentiert: 

Während Volkswagen den Abgasskandal vor Jahren noch komplett abgestritten hat, gibt der Konzern den Einbau von Abschalteinrichtungen nun selbst bei dem Motor EA 288 zu. Die Argumentation, dass die vorgeschriebenen Emissionswerte im Straßenbetrieb gar nicht erfüllt werden müssten, ist natürlich vollkommen absurd. Tatsächlich wurden diese Umweltvorgaben vor allem dafür geschaffen, um die Luft sauberer zu machen und Mensch und Umwelt zu schützen. 

Wir von der Kanzlei Goldenstein gehen bereits seit Längerem davon aus, dass auch der Motor EA 288 vom Abgasskandal betroffen ist und führen in der Sache bereits Hunderte Gerichtsverfahren gegen Volkswagen, um die Sach- und Rechtslage endgültig juristisch klären zu lassen. Betroffenen Fahrzeughaltern empfehlen wir unbedingt, sich bezüglich ihrer Rechte zu informieren und stehen diesbezüglich für eine kostenfreie Rechtsberatung zur Verfügung.” 

 

In diesen Autos wurde der EA 288-Motor verbaut 

Der EA 288-Motor wurde seit 2012 in diversen Fahrzeugen im gesamten VW-Konzern verbaut. So befindet er sich unter anderem in Diesel-Varianten von beliebten Fahrzeugmodellen wie dem VW Golf, dem Audi A1 und dem Skoda Kodiaq. Sämtliche betroffenen Modelle lassen sich der nachfolgenden Tabelle entnehmen:  

 

VW  Audi  Seat  Škoda 
Amarok  A1  Alhambra  Karoq 
Arteon  A3  Ateca  Kodiaq 
Beetle  A4  Leon  Octavia III 
Caddy  A5  Tarraco  Rapid 
CC  A6  Toledo IV  Superb 
Crafter  Q2     
Golf Sportsvan       
Golf       
Jetta       
Passat       
Polo       
Scirocco       
Sharan       
T-Roc       
T6       
Tiguan       

Tabelle 1: Diese PKW-Modelle enthalten den Schummelmotor EA 288 

 

VW will weitere Klagewelle mit allen Mitteln verhindern  

VW selbst versucht aktuell, eine weitere Klagewelle zu vermeiden. So hat VW eine Werbekampagne geschaltet, um betroffene Halter von Fahrzeugen mit dem EA 288-Motor davon abzuhalten, juristisch gegen Volkswagen vorzugehen. Auf einer eigens eingerichteten Landingpage schätzt VW die Erfolgsaussichten von Klägern als extrem gering ein und argumentiert, dass lediglich Anwälte von entsprechenden Verfahren profitieren würden.   

Tatsächlich wirkt es jedoch unglaubwürdig, dass ein DAX-Konzern, der seinen Aktionären verpflichtet ist, Marketing-Budget in die rechtliche Aufklärung von Verbrauchern investiert. Würden die Klagen alle erfolglos verlaufen, hätte VW nämlich keinen finanziellen Mehraufwand, da die Anwaltskosten von der Gegenseite getragen werden müssten. Stattdessen scheint es, als wolle VW die Klagen von betroffenen Haltern mindestens hinauszögern. Der Entschädigungsanspruch der PKW-Halter sinkt nämlich mit jedem gefahrenen Kilometer – und Volkswagen spart dadurch Geld.   

  

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal  

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiter zu nutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. 

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