28.
Jan 2021

Wie funktioniert eine illegale Abschalteinrichtung?

Im Zusammenhang mit dem Dieselskandal ist immer wieder die Rede von sogenannten Abschalteinrichtungen. Hinter diesem Begriff verbirgt sich eine Motorentechnik, die sich auf die Abgasreinigung von Automobilen auswirkt. Konkret haben Autobauer wie Daimler, VW und Fiat Abschalteinrichtungen entwickelt, die ihre Fahrzeuge während Zulassungstests umweltfreundlich erscheinen lassen. Im tatsächlichen Straßenbetrieb stoßen die Fahrzeuge dann jedoch ein Vielfaches der erlaubten Schadstoffmengen aus.  

Mit diesem Verhalten wollten die Autobauer die immer strengeren Umweltrichtlinien auf dem Papier erfüllen, um Entwicklungskosten für tatsächlich saubere Motoren einsparen zu können. Letztlich wurden die eigenen Kunden also betrogen und die Umwelt verschmutzt, damit die Fahrzeughersteller ihre Gewinne maximieren konnte. Dieses Verhalten wurde 2015 jedoch zum Bumerang, als die Manipulationen erstmals aufflogen. Seitdem mussten zahlreiche Autobauer weltweit Entschädigungen in Milliardenhöhe aufbringen, um die betrogenen Kunden sowie die Behörden in verschiedenen Ländern zu entschädigen. 

 

Die Funktionsweise der Abschalteinrichtung von VW 

Seitdem läuft auch die Aufklärungsarbeit des Skandals und mittlerweile kamen viele wichtige Details ans Licht – unter anderem zur Funktionsweise der verschiedenen Abschalteinrichtungen. Volkswagen arbeitete beispielsweise mit einer Software in der Motorensteuerung, die als Akustikfunktion getarnt war. Der Konzern erhoffte sich, dass niemand bemerken würde, dass diese Funktion tatsächlich nichts mit Schallsignalen zu tun hatte.  

Stattdessen erkannte die Software, wenn sich ein Fahrzeug auf dem Prüfstand befand, weil das Lenkrad währenddessen stillstand. In diesem Fall wurde der Schadstoffausstoß massiv reduziert. Während der normalen Fahrzeugnutzung – inklusive Lenkbewegungen – stießen die betroffenen Fahrzeuge dann jedoch ein Vielfaches der zulässigen Emissionen aus. Nachdem die Manipulationen öffentlich wurden, musste VW sämtliche betroffenen Fahrzeuge zurückrufen und die Abgasreinigung dieser PKW mit einem Software-Update normalisieren. 

Doch auch dieses Software-Update enthält eine Abschalteinrichtung, wie Recherchen der ARD 2019 ergaben. Demnach funktioniert die Abgasreinigung von Fahrzeugen mit diesem Update nur bei Temperaturen zwischen 15 und 33 Grad korrekt. Außerhalb dieses Temperaturfensters stoßen die betroffenen PKW teilweise noch mehr Schadstoffe aus als vor dem Update. 

  

Zahlreiche Hersteller setzen auf Thermofenster 

Solche Thermofenster kamen bei zahlreichen Autobauern zum Einsatz. Neben Volkswagen-Fahrzeugen erhielten auch PKW von Marken wie zum Beispiel Volvo, BMW und Mercedes-Benz Abschalteinrichtungen, die nur während bestimmter Temperaturen für einen sauberen Schadstoffausstoß sorgten. Aktuell befassen sich zahlreiche Gerichte in ganz Europa mit der Zulässigkeit solcher Thermofenster. 

Eindeutiger wird die rechtliche Situation bei Automobilen, die neben dem Thermofenster noch weitere Manipulationstechniken enthalten. Ein unabhängiges Gutachten ergab zuletzt beispielsweise, dass eine Mercedes E-Klasse neben der temperaturabhängigen Abgasreinigung auch Prüfsituationen zuordnen könne. In diesem Fall wurde die Kühlmittelsolltemperatur des Fahrzeugs um 30 Grad Celsius reduziert. 

Aud diese Weise wird die Fahrzeugleistung und damit auch der Schadstoffausstoß reduziert. Im Normalbetrieb fährt das Fahrzeug die Kühlmitteltemperatur auf insgesamt 100 Grad Celsius hoch. Dadurch arbeitet der PKW mit höherer Leistung und stößt auch unerlaubt viele Schadstoffe aus. Die Gutachter kamen zu einem eindeutigen Ergebnis: Diese Funktionsweise ist illegal. 

 

Verschiedene Hersteller, verschiedene Formen der Manipulationen 

Bislang ist noch nicht vollständig klar, wie viele verschiedene Formen von Abschalteinrichtungen entwickelt und verbaut wurden. Noch immer werden regelmäßig neue Funktionen entdeckt. So soll die Abgasreinigung bei einigen Fiat-Fahrzeugen beispielsweise wenige Minuten nach der üblichen Dauer eines Zulassungstests komplett abschalten.  

Bei Porsche und BMW ergaben Tests zudem, dass Hardware-Manipulationen den Schadstoffausstoß einiger Fahrzeuge verändern. Fakt ist, dass im Abgasskandal auch mehr als fünf Jahre nach dem Bekanntwerden weiterhin Aufklärungsarbeit geleistet werden muss.  

 

Das sind die Verbraucherrechte im Abgasskandal 

Vom Abgasskandal betroffene Fahrzeughalter können die Auszahlung des vollständigen Kaufpreises ihres Fahrzeuges bei dem jeweiligen Hersteller geltend machen und ihr Auto dafür zurückgeben. Alternativ gibt es auch die Möglichkeit, das Fahrzeug weiter zu nutzen und einen Teil des Kaufpreises als Entschädigung zu erstreiten. 

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