03.
Jun 2021

Wussten die Wohnmobil-Hersteller vom Abgasskandal?

In der Wohnmobil-Szene sind aktuell viele Fragen wegen des Abgasskandals bei Fiat und Iveco offen. Mehr als zwei Drittel aller Wohnmobile werden nämlich auf Basis von Fiat- und Iveco-Fahrzeugen gebaut. Somit betrifft der Wohnmobil-Abgasskandal über 50 Hersteller von Reisemobilen – darunter sämtliche namhafte Unternehmen wie Hymer, Westfalia oder Dethleffs. Aber haben diese die manipulierten Motoren bewusst verbaut oder wussten sie gar nichts von dem Skandal?

Knaus Tabbert kontaktierte Andreas Scheuer wegen Abgasskandal

Im Normalfall kann davon ausgegangen werden, dass die Wohnmobil-Hersteller nichts von den Manipulationen wussten. Schließlich kaufen sie die Motoren und Fahrgestelle von Autobauern wie Fiat und Iveco, sind aber nicht direkt in die Entwicklung dieser Unternehmen eingebunden.

Tatsächlich haben sich einige Hersteller dennoch frühzeitig mit den möglichen Folgen eines Abgasskandals bei Fiat und Iveco befasst. Das ZDF-Fernsehmagazin Frontal21 fand nämlich heraus, dass der Reisemobilhersteller Knaus Tabbert den heutigen Verkehrsminister Andreas Scheuer bereits 2018 kontaktierte, da das Unternehmen Angst vor den Folgen eines möglichen Zulassungsverbots der eigenen Fahrzeuge hatte. Das Fahrgestell des Fiat Ducato diente nämlich als Basis der Knaus Tabbert-Reisemobile.

Damals versicherte Scheuer dem Unternehmen nach Rücksprache mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) jedoch, dass die Wohnmobile trotz gemessener Schadstoff-Grenzwert-Überschreitungen für den Straßenbetrieb zugelassen würden. Insofern konnte Knaus-Tabbert zumindest davon ausgehen, dass die hohen Schadstoff-Messwerte nicht aufgrund von illegalen Manipulationen zustande kamen. Sonst hätte das Kraftfahrt-Bundesamt die Zulassung dieser Fahrzeuge schließlich verhindern müssen, sollte man meinen.

Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt wegen Fiat-Abgasskandal – Rückruf folgte

Mittlerweile ist jedoch klar, dass mehrere Fiat-Motoren illegal manipuliert wurden und der Abgasskandal betrifft auch den Fiat-Ducato. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt führte im Jahr 2020 mehrere Razzien in Geschäftsgebäuden von Fiat und Iveco durch. Im Oktober desselben Jahres verkündeten die Ermittler dann, dass allein in Deutschland mehr als 200.000 illegal manipulierte Fahrzeuge aus dem damaligen Fiat Chrysler-Konzern zugelassen wurden.

Konkret soll die Abgasreinigung von diversen Fiat- und Iveco-Modellen nach 22 Minuten vollständig abschalten. Da offizielle Fahrzeugtests in der Regel nur 20 Minuten dauern, wurden die Automobile dennoch zugelassen. Im tatsächlichen Straßenbetrieb stießen diese jedoch das neun bis 15-fache der zulässigen Stickoxid-Mengen aus. Zudem sollen auch temperaturabhängige Abschalteinrichtungen von Fiat verwendet worden sein. Diese Formen der Manipulation sind illegal.

Mittlerweile hat das Kraftfahrt-Bundesamt deshalb bereits einen Rückruf bei Iveco veranlasst. Zudem hat die EU-Kommission eine Ermittlung gegen Italien gestartet. Die dortigen Behörden haben bislang nämlich keine Rückrufe von Fahrzeugen aus dem Fiat-Konzern angeordnet, obwohl diese die zulässigen Umweltrichtlinien nicht einhalten und die italienischen Behörden für die Zulassung und auch Rückrufe dieser Automobile zuständig ist.

Diese Fiat- und Iveco-Fahrzeuge sind vom Wohnmobil-Dieselskandal betroffen

Bislang ist bekannt, dass der Wohnmobil-Abgasskandal Fahrzeuge betrifft, die auf Basis des Fiat Ducato sowie der Iveco-Modelle Daily Hi-Matic, Daily 4×4 und Eurocargo gebaut wurden. Die betroffenen Automobile wurden zwischen 2014 und 2019 gebaut und enthalten folgende Diesel-Motoren: 1.3 Liter 16V Multijet, 1.6 Liter Multijet, 1.6 Liter, 2.0 Liter Multijet, 2.0 Liter, 2.2 Liter Multijet II, 2.3 Liter, 2.3 Liter Multijet, 3.0 Liter. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass auch weitere Fahrzeuge illegal manipuliert wurden.

Dieselskandal: Wohnmobil-Besitzer haben Anspruch auf Schadensersatz

Wer ein manipuliertes Wohnmobil besitzt, hat die Möglichkeit, das Fahrzeug zu behalten und eine Entschädigung in Höhe von 20 bis 25 Prozent des ursprünglichen Kaufpreises durchzusetzen. Deutlich höhere Entschädigungen erhalten Wohnmobil-Besitzer, die ihr Fahrzeug an den verantwortlichen Hersteller zurückgeben.

In diesem Fall sind Summen, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientieren, gängig. Zudem werden auch nachträgliche Einbauten wie zum Beispiel Heizungen oder Solaranlagen bei der Berechnung des Schadensersatzes berücksichtigt. Ihre Rechtsansprüche in der Sache können Wohnmobil-Besitzer mithilfe einer Anwaltskanzlei durchsetzen. Anzeigen führen hingegen nicht zu einer zivilrechtlichen Aufarbeitung des Wohnmobil-Abgasskandals.

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