29.
Sep 2021

Fiat-Nutzfahrzeuge wurden illegal manipuliert

Der Fiat Ducato ist das meistverkaufte leichte Nutzfahrzeug in Europa und eines der Aushängeschilder des italienischen Autobauers. Allein im Coronajahr 2020 wurde der Ducato europaweit mehr als 150.000-mal verkauft. Es gibt jedoch auch eine Schattenseite an dem Kleintransporter, der in diesem Jahr 40 Jahre alt wird: Hunderttausende Ducato-Modelle sind nämlich vom Abgasskandal betroffen.

 

200.000 manipulierte Fiat-Fahrzeuge in Deutschland

Bereits 2016 gab Bosch in internen Gesprächen mit dem Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) zu, dass der Automobilzulieferer auch an Fiat unter anderem Motorsteuergeräte geliefert hat, mit deren Software der italienische Autobauer seine Fahrzeugflotte illegal manipulieren konnte. Abgastests des KBA ergaben: Tatsächlich wurden auch Fiat-Fahrzeuge illegal manipuliert. Mittlerweile ist klar: Der Ducato ist von diesen Manipulationen betroffen.

Grundsätzlich stehen sämtliche Ducato-Modelle der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 unter Manipulationsverdacht. Im vergangenen Jahr ließ die Staatsanwaltschaft Frankfurt mehrere Geschäftsgebäude von Fiat durchsuchen. Wenig später gaben die Ermittler bekannt, dass allein in Deutschland mehr als 200.000 manipulierte Fahrzeuge vom Fiat-Abgasskandal betroffen sein könnten. Vor allem Wohnmobile der Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 gerieten in den Fokus der Ermittler.

 

Ducato wird vielseitig eingesetzt

Der Fiat Ducato gilt als beliebteste Fahrgestell von Wohnmobil-Herstellern. Rund zwei Drittel aller Reisemobile werden auf Basis des italienischen Kastenwagens gebaut. Aber auch bei Handwerkern ist der geräumige Transporter recht beliebt. Zudem wird der Ducato auch gern als Pferde- und Tiertransporter ausgebaut.

Die Halter dieser Fahrzeuge müssen sich nun jedoch auf zeitnahe Rückrufe einstellen. Im schlimmsten Fall könnten ihre Abgasskandal-Autos sogar die Straßenzulassung verlieren, wenn die verantwortlichen italienischen Behörden die überfälligen Rückrufaktionen und die damit verbundenen Abgas-Aktualisierungen der Fahrzeuge weiterhin hinauszögern.

Da die Fahrzeuge unerlaubt viele Schadstoffe ausstoßen, hätten sie nämlich eigentlich gar nicht für den Straßenbetrieb in der Europäischen Union zugelassen werden dürfen. Der PKW-Abgasskandal bei Herstellern wie Volkswagen oder Daimler hat bereits gezeigt: Fahrzeuge, bei denen der vorhandene Mangel nicht beseitigt wird, werden stillgelegt.

 

Diese Rechte haben die Besitzer von manipulierten Fiat-Fahrzeugen

Es gibt jedoch Möglichkeiten, sich gegen diesen Betrug zu wehren. So besteht unter anderem die Möglichkeit, das manipulierte Auto an den verantwortlichen Hersteller zurückzugeben. Im Gegenzug winkt eine finanzielle Entschädigung, die sich aus dem ursprünglichen Kaufpreis des Fahrzeuges abzüglich einer Nutzungsentschädigung zusammensetzt. Darüber hinaus erhalten die Kläger ab dem Tag der Klage-Einreichung Verzugszinsen, die die Entschädigungssumme erhöhen.

Für die Durchsetzung von Schadensersatzansprüchen im Abgasskandal ist ein amtlicher Rückruf zwar hilfreich, aber nicht notwendig. So gibt es herstellerübergreifend zahlreiche Beispiele von Schadensersatzklagen, die auch ohne Rückruf erfolgreich verliefen. Wichtig ist hierfür lediglich, dass sich die Manipulation beispielsweise mit Hilfe eines Sachverständigengutachtens nachweisen lässt. Das ist im Fall von Fiat bereits mehrfach geschehen.

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