20.
Jan 2022

Widersprüche gegen Abgasskandal-Rückrufe sind nur Ablenkungsmanöver

Das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat deutschlandweit mehrere Millionen Fahrzeuge wegen des Abgasskandals zurückgerufen. Teilweise haben sich die betroffenen PKW-Hersteller jedoch juristisch gegen diese Rückrufe gewehrt. Mit ihren Widersprüchen gegen die Abgasskandal-Rückrufe war bislang jedoch noch kein Fahrzeughersteller erfolgreich. Daher können solche Aktionen wohl eher als Ablenkungsmanöver verstanden werden.

Autohersteller wollen ihre Kunden verunsichern

Indem ein Hersteller Widerspruch gegen einen Abgasskandal-Rückruf einlegt, signalisiert dieser, dass er sich keiner Schuld bewusst ist. Das wiederum kann ein taktisches Manöver sein, um beispielsweise Schadensersatzklagen abzuwehren. Schließlich überlegt sich ein betroffener Verbraucher zweimal, ob dieser Schadensersatzansprüche wegen des Abgasskandals geltend machen soll, wenn der verantwortliche Hersteller die Manipulationen vehement abstreitet.

Genau das wollen die Autohersteller mit solchen Aktionen erreichen. Indem sie ihre geschädigten Kunden davon abhalten, ihre Rechte durchzusetzen, sparen die Autohersteller bares Geld. Schließlich müssen sie dadurch entweder gar keine Schadensersatzansprüche auszahlen oder nur eine geringere Summe. Der Entschädigungsanspruch von betroffenen PKW-Besitzern sinkt nämlich mit jedem Kilometer, den das manipulierte Auto zurücklegt und ist zehn Jahre nach dem Kauf sogar komplett verjährt.

Am Ende sind daher die Fahrzeughalter die geschädigten Personen, wenn sie sich von einem Widerspruch gegen einen Abgasskandal-Rückruf beeinflussen lassen. Diese bleiben dann nämlich im Zweifel auf ihrem Schaden sitzen. Schließlich haben nachweislich manipulierte Fahrzeuge durch den Abgasskandal enorm an Wert verloren. Oftmals sinkt die Lebensdauer der betroffenen PKW zudem aufgrund von Folgeschäden durchgeführter Software-Updates.

Daimler und Opel scheiterten mit Widersprüchen gegen Abgasskandal-Rückrufe

Mit Widersprüchen gegen Abgasskandal-Rückrufe ist unter anderem Opel gescheitert. Nachdem das KBA 2018 mehrere Diesel-Varianten der Opel-Modelle Zafira, Cascada und Insignia zurückrief, ging der Rüsselsheimer Autobauer juristisch dagegen vor. Einen Widerspruch gegen diese Rückrufe lehnte das Oberverwaltungsgericht Schleswig-Holstein im Eilverfahren ab. Mittlerweile ist sogar klar, dass noch mehr Opel-Modelle manipuliert wurden.

Auch Daimler ging erfolglos gegen entsprechende Widersprüche vor. Der deutsche Autobauer wurde bislang wegen des Dieselskandals dazu verpflichtet, mehr 1,4 Millionen Mercedes-Benz-Fahrzeuge zurückzurufen. Nachdem das KBA diese Rückrufe nach einem Widerspruch von Daimler erneut bestätigte, entschied sich der Stuttgarter Konzern zu juristischen Schritten. Damit zielt Daimler wohl darauf ab, die Aufklärungsarbeit in der Sache möglichst lange in die Länge zu ziehen.

Selbst der ehemalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, dem ein enger Draht zu der deutschen Automobilindustrie nachgesagt wurde, bezeichnete Daimlers Vorgehen im Zusammenhang mit dem Dieselskandal als Taktiererei. Das Bundesverkehrsministerium machte deshalb sogar öffentlich, dass das Kraftfahrt-Bundesamt insgesamt fünf verschiedene Formen von illegaler Manipulationssoftware in Mercedes-Autos entdeckt hat.

Schadensersatzansprüche im Abgasskandal

Die Halter von illegal manipulierten Fahrzeugen sollten sich nicht wegen von den Ablenkungsmanövern der Automobilindustrie verunsichern lassen und sich unbedingt rechtzeitig bezüglich ihrer rechtlichen Möglichkeiten beraten. Schließlich hätte wohl kein Verbraucher sein Fahrzeug zu den gleichen Konditionen erworben, wenn der Abgasskandal zum Kaufzeitpunkt bereits bekannt gewesen wäre.

So besteht unter anderem die Möglichkeit, den verantwortlichen Hersteller juristisch zur Rücknahme des manipulierten Autos zu verpflichten. Im Gegenzug winkt eine Entschädigungszahlung, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Alternativ ist es auch möglich, das eigene Fahrzeug zu behalten und einen Teil des Kaufpreises in Form einer finanziellen Entschädigung durchzusetzen. Dadurch soll der Wertverlust kompensiert werden, der durch den Abgasskandal entstanden ist.

Abgasskandal-Klagen sind oft ohne finanzielles Risiko möglich. Sämtliche Rechtsschutzversicherungen übernehmen nämlich alle anfallenden Kosten für ihre Kunden. Wer nicht versichert ist, kann zudem auf die Dienste eines sogenannten Prozesskostenfinanzierers zurückgreifen. Dieser übernimmt das komplette Verfahrensrisiko für Verbraucher und bezieht ausschließlich im Erfolgsfall eine geringe Provision für diese Dienste.

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