07.
Okt 2021

Das müssen Mercedes-Benz-Besitzer aktuell über den Abgasskandal wissen

Bislang musste Mercedes-Benz europaweit bereits fast 1,5 Millionen manipulierte Autos wegen des Abgasskandals zurückrufen – mehr als ein Drittel davon in Deutschland. Noch immer kommt es deshalb regelmäßig zu Rückrufaktionen bei dem Stuttgarter Autobauer. Gleichzeitig droht den Haltern der ersten zurückgerufenen Mercedes-Modelle eine Verjährung ihrer Rechtsansprüche. Ein Überblick über die aktuelle Situation.

Erste Abgasskandal-Rückrufe bei Mercedes erfolgten 2018

Im Mai 2018 kam es erstmals zu einem amtlichen Abgasskandal-Rückruf bei Mercedes-Benz. Damals wurde der Kleintransporter Vito zurückgerufen. Auch die Halter der Mercedes-Benz-Modelle GLC, GLK, Marco Polo, V-Klasse und Vito Tourer erhielten noch im selben Jahr ein Rückrufschreiben wegen des Abgasskandals. Die Fahrzeuge mussten in die Werkstatt, damit ihre Abgasreinigung dort mit einem Software-Update normalisiert wird.

Die PKW haben seitdem jedoch nicht nur enorm an Wert verloren, sondern sind teilweise auch von Folgeschäden wegen der Durchführung des Software-Updates betroffen. Schließlich sind die Fahrzeuge ursprünglich nicht darauf ausgerichtet worden, Schadstoffe dauerhaft im größeren Ausmaß zu filtern. Deshalb können beispielsweise verstopfte Partikelfilter zu schweren Motorschäden führen.

Darüber hinaus klagten Mercedes-Halter nach der Durchführung des Updates auch über kleinere Probleme mit ihrem Fahrzeug. So berichteten einige Mercedes-Fahrer beispielsweise über einen erhöhten Kraftstoff- und AdBlue-Verbrauch. Andere PKW-Besitzer stellten nach dem Update unter anderem unangenehme Gerüche bei der Fahrt fest. Unabhängige Abgastests zweifelten zudem die Wirksamkeit der Updates an.

Vorsicht vor Verjährungsfrist

Unter anderem deshalb können betroffene Fahrzeughalter Schadensersatzansprüche durchsetzen. Für die Halter von 2018 zurückgerufenen Mercedes-Modellen ist dies jedoch unter Umständen nur noch bis zum Jahresende vollumfänglich möglich.

Im Fall von Betrug bzw. sittenwidriger Schädigung gilt in Deutschland nämlich eine Verjährungsfrist in Höhe von drei Jahren zum Jahresende ab dem Zeitpunkt der Kenntnisnahme der geschädigten Person. Das bedeutet, dass die Verjährung im Rahmen des Mercedes-Abgasskandals zum 01. Januar 2022 einzutreten droht.

Fast alle Mercedes-Modelle wurden illegal manipuliert

Anspruch auf Schadensersatz haben zudem nicht nur die Halter von 2018 zurückgerufenen Modellen. Der Mercedes-Abgasskandal betrifft nämlich nahezu sämtliche Mercedes-Modelle von der A- bis zur V-Klasse. Eine Manipulationssoftware, die sich auf die Abgasreinigung von Mercedes-Autos auswirken, wurden in zahlreichen PKW-Modellen mit den Daimler-Motoren OM607, OM622, OM626, OM640, OM642 und OM651 entdeckt.

Das deutsche Verkehrsministerium gab bekannt, dass in den betroffenen Fahrzeugen insgesamt fünf verschiedene Arten sogenannter Abschalteinrichtungen entdeckt wurden. Die manipulierten Fahrzeuge erkennen Testsituationen und schalten in diesem Moment in einen umweltfreundlichen Modus. Dadurch wurden die PKW zugelassen, obwohl sie im Normalbetrieb unerlaubt viele Schadstoffe ausstoßen.

Rechtsansprüche bestehen trotz BGH-Thermofenster-Urteil

Mittlerweile gab der Bundesgerichtshof bekannt, dass der Einbau sogenannter Thermofenster, die in zahlreichen Mercedes-Modellen zum Einsatz kamen, keine Schadensersatzansprüche rechtfertigt. Thermofenster sind temperaturabhängige Abschalteinrichtungen, die den Schadstoffausstoß von der Außentemperatur abhängig machen.

Die zurückgerufenen Fahrzeuge von Mercedes enthalten jedoch in der Regel andere bzw. teilweise sogar mehrere Abschalteinrichtungen. Die Durchsetzung von zivilrechtlichen Rechtsansprüchen im Abgasskandal ist also trotz dieses Urteils weiterhin möglich. Das haben mehrere Gerichte bereits bestätigt.

Einzelklage oder Sammelklage?

In den USA brachte Mercedes-Benz bereits eine Milliardensumme auf, um einen Abgasskandal-Rechtsstreit mit der Justiz und einigen Sammelklägern zu beenden. In Deutschland ist eine Sammelklage nach dem amerikanischen Vorbild nicht möglich.

Hierzulande gibt es für Halter der Mercedes-Benz-Modelle GLC und GLK die Möglichkeit, sich an einer sogenannten Musterfeststellungsklage zu beteiligen. Doch die Erfahrung hat gezeigt, dass eine Einzelklage im Normalfall der erfolgsversprechendste und lukrativste Weg ist, um die eigenen Rechtsansprüche im Abgasskandal durchzusetzen.

Diese Rechtsansprüche haben betroffene Halter

Mit einer Einzelklage ist es grundsätzlich möglich, den verantwortlichen Hersteller zur Rücknahme des manipulierten Fahrzeugs zu bringen, um im Gegenzug eine Entschädigung zu erhalten, die sich an dem ursprünglichen Kaufpreis orientiert. Alternativ besteht zudem die Option, das manipulierte Fahrzeug zu behalten und sich lediglich den Wertverlust erstatten zu lassen. In der Regel sind auf diesem Weg rund 20 Prozent durchsetzbar.

Abgasskandal-Klagen sind oft ohne finanzielles Risiko möglich. Sämtliche Rechtsschutzversicherungen übernehmen nämlich alle anfallenden Kosten für ihre Kunden. Wer nicht versichert ist, kann zudem auf die Dienste eines sogenannten Prozesskostenfinanzierers zurückgreifen. Dieser übernimmt das komplette Verfahrensrisiko für Verbraucher und bezieht ausschließlich im Erfolgsfall eine geringe Provision für diese Dienste.

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